Der heutige Naturspaziergang führte zur Familie Meise. Anlass war der Herbstputz der Nistkästen am Vortag. Rund 100 Nistkästen im Friedhof Hönggerberg und im Hönggerwald werden vom NVV Höngg betreut. Vor 60 Jahren waren es noch gut 700 Nistkästen. Dass heute siebenmal weniger ¨künstliche Höhlen¨ angeboten werden, hat mit einem Umdenken in der Forstwirtschaft zu tun. Alte Bäume werden vermehrt wo möglich stehen gelassen, so dass bspw. die Spechte diese Bäume benutzen können, um darin ihre Höhlen zu zimmern. Diese so genannten Biotopbäume haben für die Biodiversität im Wald eine grosse Bedeutung.

Gerade Höhlenbäume, also Bäume mit Höhlen, die von einem Specht gezimmert wurden oder durch Fäulnisprozesse entstanden sind, sind nicht nur für Spechte wertvoll. Die Spechthöhlen sind auf dem Wohnungsmarkt bei vielen Vogelarten begehrt. Auch Insekten oder Säugetiere ziehen manchmal dort ein. Ein schönes Beispiel einer alten kranken Buche wurde besichtigt, die gar zwei Naturhöhlen aufweist. Das runde Loch ist der Eingang einer Buntspechthöhle und ein grösseres, ovales Loch ist das von einer Schwarzspechthöhle. In Letzterem hausten sogar Waldkäuze! Für jene, die es genau wissen wollten, standen Spektive bereit, mit denen man die Höhlen von nahem betrachten konnte, aber auch um die Struktur des Baumes mit den Pilzen und Moosen zu studieren.

Im golden leuchtenden Herbstwald – die ersten Blätter fielen bereits – konnte man live zusehen, wie ein Nistkasten fachgerecht kontrolliert und geputzt wird. Die Spannung war gross bei der Öffnung des Nistkastens, denn wie bei den Naturhöhlen weiss man nie, von wem die Höhle besiedelt wurde. In den meisten Fällen werden die Nisthilfen von Meisen (meistens von Blau- und Kohlmeisen, seltener von Tannen- und Haubenmeisen) bezogen. Neben weiteren Vogelarten wie Feldspatzen, Stare oder Kleiber (die auch Höhlen selber bauen können), benutzten aber auch schon Hornissen, Mäuse oder Siebenschläfer die Nistkästen als Höhlen. Zurück zum Öffnen des ersten Nistkastens: Gefunden wurde ein Nest, in welchem noch ein Ei lag

. mit Ei k 

Es zeigte sich, dass dort eine Kohlmeise versucht hat zu brüten. Anhand des Zustandes des Nestes und dem Inhalt können Aussagen gemacht werden, ob eine Brut zum Erfolg führte oder nicht. Weiter kann aus der Art des Nestbaus gesagt werden, wer darin wohnte. Findet man beispielsweise im Nistkasten ein Nest, welches hauptsächlich aus Baumrindenstücken besteht, brütete darin ein Kleiber. Findet man ein Nest mit unterschiedlichen Materialien wie Wurzeln, Stroh und Blätter, welches mit Federn und Haaren ausgekleidet ist und dessen Form an eine Kugel erinnert oder an einen unordentlichen Napf, dann dürfte darin ein Feldspatz gebrütet haben. Auf diesem Spaziergang konnte man nicht nur die verschiedenen Nester von Blau- und Kohlmeisen, von Kleibern und sogar von Mäusen besichtigen. Man erfuhr auch, dass es in der Stadt Zürich bei den Kohlmeisen etwa 4000 und bei den Blaumeisen etwa 1500 Brutpaare gibt. Oder dass ein Blaumeisenweibchen bis zu 17 Eier legen kann (in der Regel 7-12). Oder dass die Nistkästen verschieden grosse Einfluglöcher aufweisen, 3,2 cm beispielsweise für die Kohlmeise. Zur Sprache kamen auch seltene Höhlenbewohner wie Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper, Hohltaube oder Dohle. Diese Vögel sind als Brutvögel aus der Stadt Zürich leider verschwunden und auch schweizweit als Brutvogel auf dem Rückzug, was mit veränderten Umweltbedingungen zu tun hat. Übrigens werden die Nistkästen wegen dem Parasitenbefall geputzt, der für die nächste Generation von Jungvögeln gefährlich werden könnte. All dies und noch viel mehr konnte man auf diesem gelungenen und informativen Spaziergang erfahren. Am Schluss wartete ein heisser Tee, ein Vogelnestli (Guetzli) und spannende Diskussionen auf die Teilnehmenden. Auf den nächsten Spaziergang darf man wie immer gespannt sein, er wird uns an die Limmat führen und uns von der Wasservogelzählung berichten.

Denise Thoma

  • Gruppe1 k
  • Gruppe2 k
  • Gruppe3 k
  • Teeausschank k

 

Go to top