Der heutige Naturspaziergang führte an die Limmatauen beim Werdhölzli. Rund 35 Personen trafen sich an der Haltestelle Frankental und auch dieses Mal bei strahlend schönem Wetter und tief blauem Himmel. Dort wurden sie von Dorothee Häberling und Verena Steinmann begrüsst. Ein kurzer Spaziergang die Bombachhalde hinunter brachte die NaturspaziergängerInnen zur Hängebrücke, wo sie von der munter plätschernden Limmat erwartet wurden.

Im Zuge der Renaturierung der Limmat entstand zwischen dem Stauwehr Zürich-Höngg und der Autobahnbrücke bei Oberengstringen der so genannte Limmat-Auen-Park. Die Uferverbauungen wurden entfernt, der Uferbereich abgeflacht und das Flussbett zum Teil tiefer gelegt. Zusätzlich wurden Kiesinseln, Steinbuhnen und Raubäume angebracht, um so die Strukturvielfalt zu erhöhen. Die so entstandenen Buchten und Flachwasserzonen lassen verschiedene Wassertiefen aber auch verschiedene Strömungsverhältnisse entstehen. Diese Dynamik kommt allen zugute: Den vielen Auenpflanzen, den Menschen und nicht zuletzt auch den Wasservögeln.

Seit 1967 werden die Wasservögel an zwei Terminen – Mitte November und Mitte Januar - weltweit gezählt (International Waterbird Census IWC). Dieses Monitoring wird auf internationaler Ebene von Wetlands International und auf nationaler Ebene von der Vogelwarte Schweiz in Sempach koordiniert. Etwa 500 Freiwillige zählen jährlich schweizweit rund eine halbe Million Wasservögel! Gezählt werden alle Arten und von diesen jedes Individuum. Die Schweiz ist in Europa ein wichtiges Überwinterungsquartier für die Wasservögel, da viele Seen nicht zufrieren und das Nahrungsangebot gut ist. Durch das Monitoring können wichtige Aussagen bspw. über den Zustand von Gebieten gemacht werden, um so wenn nötig mit Schutzmassnahmen einzugreifen oder um Wasservogelreservate zu schaffen. Bei der Zählung der Wasservögel vergangenen Monat durch Susanne Ruppen im Gebiet der Limmat-Auen konnten 18 verschiedene Arten bestimmt werden, darunter Blässhühner (Taucherli), Stockenten, Haubentaucher, Wasseramseln, Schnatterenten, Kormorane, Lachmöwen, Gänsesäger, usw. Letzterer profitiert zum Glück auch von der Renaturierung der Limmat, denn der Gänsesäger steht mittlerweile auf der roten Liste. Ganze zwei Brutpaare konnten im Kanton Zürich 2008 nachgewiesen werden. An der Limmat sind im Schnitt in den letzten zehn Jahren 63 Individuen gezählt worden, die bei uns überwintern, was 1.8 % der gesamtschweizerischen Population ausmacht. Von der Hängebrücke marschierten wir auf dem Kloster-Fahr-Weg zur Autobahnbrücke, hielten dabei Ausschau nach Wasservögeln und versuchten gleichzeitig, diese zu zählen. Das ist gar nicht so einfach, denn manchmal schwimmen die Enten gleich mehrere Male an einem vorbei oder man wird durch eine vorbeifliegende Möwe abgelenkt. Zur grossen Freude sahen wir auch ein paar Gänsesäger, sowohl Weibchen – zu erkennen an ihrem kastanienbraunen Schopf und dem grauen Rücken – als auch den Erpel (Männchen), der am dunkelgrünen, glänzenden Kopf zu erkennen ist. Die Gänsesäger sind deutlich grösser als Enten, der Körper ist weiss gefiedert. Wegen der neu geschaffenen Dynamik an der Limmat führt diese auch mehr Fische, die wiederum gerne von den Gänsesägern gefressen werden. Sie tauchen bis zu 10 Meter hinab; mit ihrem hakenförmigen, roten Schnabel und den Sägezähnen können sie ihre Beute gut festhalten. Ein Gänsesäger frisst täglich etwa 240 - 400 Gramm Fisch. Diesen lokalisieren sie, indem sie an der Oberfläche schwimmen und dabei den Kopf unter Wasser halten, dem so genannten „Wasserlugen“. Nachdem wir die schönen Tiere durch das Spektiv und den Feldstecher bewundert hatten, reihten sich weitere Höhepunkte vor unsere Linsen. Wagemutig tauchte eine Wasseramsel in den Stromschnellen nach Beute, majestätisch flog ein Graureiher über unsere Köpfe hinweg, Bergstelzen wippten am Ufer auf den Steinen und im Eichenbaum sonnte sich ein junger Kormoran. Und als wäre dies nicht schon genug, setzte sich ein Eisvogel bei der Holzbrücke beim Hauserkanal minutenlang auf einen Ast, um sein eisigblaues Gefieder zu präsentieren, das sich abhebt von seinem orangen Körper. Bei so viel Aufregung und den vielen Informationen war der abschliessende Tee, den wir bei Sonnenuntergang genossen, wahrlich verdient und der soeben beendete Spaziergang liess es an Gesprächsstoff nicht fehlen. Auf den nächsten Spaziergang darf man wie immer gespannt sein, er wird uns zu den Tieren im Winterwald führen.

Denise Thoma

Bilder von Béla Andeaskay und Michael Bischof

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