Der heutige Naturspaziergang führte uns zu den Tieren im Winterwald und das bei milden, fast frühlingshaften Temperaturen. Entsprechend zwitscherte und tirilierte es aus den noch kahlen Ästen. Die Kohlmeise begrüsste uns mit ihrem ¨Zyt isch, zyt isch ...¨ oder der Kleiber mit seinem rhythmischen ¨hoi-hoi-hoi...¨.

Doch welche Vögel sind um diese Jahreszeit zu hören? Oder anders gefragt: Bleiben alle Vögel im Winter bei uns? Nicht nur wir verspüren den Drang, nach Süden an die Sonne zu ziehen, um Wärme zu tanken. Auch einigen Vögeln geht es so, allerdings ziehen diese wegen dem fehlenden Nahrungsangebot im Winter Richtung Süden. Diese nennt man Zugvögel und je nachdem, wie weit sie in den Süden fliegen, spricht man von Kurz- oder Langstreckenzieher, Letztere ziehen über die Sahara. Das ganze Phänomen nennt sich Vogelzug. Und so machen sich jeden Herbst und jeden Frühling Millionen von Vögeln von ihren Brutgebieten auf den Weg in ihr Winterquartier in den Süden (und dann wieder zurück ihn ihre Brutgebiete) der Nahrung hinterher. So würde es eigentlich auch unser Hausrotschwänzchen machen, doch dazu später. Der Vogelzug wäre ein eigener Bericht wert. Ein kleiner Exkurs soll hier aber dennoch gestattet sein: Die Frage nämlich, ob die Vögel sich bezüglich der Klimaerwärmung anpassen können und sich das Zugverhalten entsprechend verändert. Diese Frage ist aktuell von grossem Interesse in der Ornithologie.

Einige Vögel aber harren im Winter bei uns aus, es sind die so genannten Standvögel. Sie haben, wie die anderen Tiere im Winterwald auch, ihre Strategien, um die z. T. strengen Winter zu überstehen. Während die Erwachsenen sich mit dem Vogelzug und dem Lauschen der Vogelstimmen beschäftigten, kommunizierten die Kinder mit dem Baumtelefon, was sichtlich Spass machte.

Doch auch die Erwachsenen bekamen eine Aufgabe zugewiesen: Sie sollten bis zur nächsten Informationsstation alles auflesen, was den Vögeln als Nahrung dienen könnte. Dabei kam einiges zum Futtern zusammen (nur Würmer getraute sich niemand zu fangen): Erlenzäpfchen, Buchennüsse, Eicheln, Ahornsamen, Beeren, usw. Dann galt es, den Schnabel mit dem entsprechenden Futter zusammenzubringen. Dabei war schnell klar, dass es einen kräftigen Schnabel wie dem des Kernbeissers braucht, um eine Haselnuss zu knacken oder dass mit einem feinen, kleinen Schnabel besser an die Samen der Erlenzäpfchen zu gelangen ist. Einige Vögel haben sogar den Namen ihrer bevorzugten Leibspeise bekommen, wie beispielsweise der Distelfink (Stieglitz) oder die Erlenzeisige.

Aber nicht nur Vögel harren bei uns im Winterwald aus. Auch die Tiere im Winterwald haben ihre Strategien, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Eichhörnchen, Wühlmäuse oder Maulwürfe legen sich Wintervorräte an. Der Maulwurf geht dabei nicht zimperlich vor: Er beisst den Regenwürmern in den Nacken, die dadurch gelähmt sind, und legt sie als Frischfleischvorrat in seine Gänge. Andere wie Igel oder Siebenschläfer fressen sich ein grosses Fettpolster an, um den Winter zu verschlafen. Wieder andere verfallen in eine Winterstarre; dazu gehören alle Kaltblüter wie Feuersalamander oder Frösche. Diese vergraben sich im Schlamm oder legen sich unter Moos, um sich vor Frost zu schützen und erstarren dann bis zum Frühling, wenn die ersten warmen Strahlen die Erde erwärmt, zu völliger Leblosigkeit. Nicht ganz so extrem halten es jene Tiere, die es im Winter einfach ruhiger angehen und mehr schlafen, um so den Kalorienverbrauch niedrig zu halten; dazu gehören beispielsweise die Dachse.

Eine grosse Gruppe von Tieren ist aber auch im Winter aktiv und hinterlässt entsprechend ihre Spuren im Winterwald. Um das Auge von Jung und Alt für die Spuren der Tiere im Winterwald zu schulen, wurde ein kleiner Parcours mitten durch den Wald gelegt. Immer dann, wenn sich eine Spur fand, wurde diese markiert und nach dem Täter gefragt. Selbst mit der gegebenen Hilfestellung war dies nicht immer einfach zu beantworten. Welches Tier hinterlässt kleine walzenförmige dunkle Köttel? Wer reisst Fichtenäste ab, um an die Knospen zu kommen? Wie sieht ein Liegeplatz von einem Reh aus? Wer haust in der Höhle unter dem Baum? Wer schält die Rinde von den Bäumen ab? Die Spurensuche fand bei allen Beteiligten Anklang und sorgte schon während des Spaziergangs für Diskussionen, die den Weg zur Waldschule verkürzten.

Als Abschluss gab es die spannende Geschichte vom Hausrotschwänzchen, das nicht wegzog und dem Winter zu Hause trotzen musste. Zum Glück weiss man vorher nicht immer, was für Abenteuer man überstehen muss! Wir aber werden nun aufmerksamer durch den Wald gehen und nach Spuren der Tiere – in allen Jahreszeiten – Ausschau halten, um so dem einen oder anderen Abenteuer auf die Spur zu kommen. Doch das wird eine andere Geschichte. Vorher aber stärkten sich die TeilnehmerInnen mit einem heissen Tee, der vom NVV Höngg spendiert wurde. Auf den nächsten Spaziergang darf man wie immer gespannt sein: Wir sind eingeladen zum Frühlingskonzert der Vögel.

Denise Thoma

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