Der heutige Naturspaziergang führte uns zum Frühlingskonzert der Vögel im Hönggerwald. Rund 40 Personen liessen sich von einem grauen und bewölkten Himmel und einem zügigen Wind nicht abhalten, um neun Uhr die Kappenbühlstrasse unter die Füsse zu nehmen. Begrüsst wurden die in vier Gruppen aufgeteilten und grösstenteils mit Feldstechern ausgerüsteten Vogellauscher vom munteren Tschilpen der Hausspatzen. Sie eröffneten das Morgenkonzert, das ein paar Meter weiter von Staren begleitet wurde. Diese führten uns gleich mitten ins Thema und zu vielen Fragen. Warum singen Vögel? Singen alle Vögel? Hat jeder Vogel seinen eigenen Gesang? Wann singen die Vögel?

Der Reihe nach.

Während wir dem Vogelgesang lauschen, darf nicht vergessen werden, dass es sich dabei eigentlich um eine harte Arbeit handelt. Vögel singen, um ihre Reviere zu verteidigen und um zu werben. Bei den meisten Arten sind es vor allem die Männchen, die ihren Gesang vortragen. Die Syrinx, das Laut-erzeugende Organ bei Singvögel, ist aber bei den Weibchen genau gleich gebaut wie bei den Männchen und entsprechend findet man auch singende Weibchen, manchmal auch im Duett mit ihrem Partner. Bei den Rotkehlchen ist das besonders ausgeprägt; dort singen die Weibchen ebenso, was auch damit zusammenhängt, dass sie – ausser während der Brutzeit – ihr Revier wie Männchen verteidigen. Wir hatten diesen Morgen das Glück, den melodiös plätschernden fast perlenden Gesang einiger dieser kleinen Vögel zu hören, welchen sie mit vorgereckter roter Brust respektive Kehle mit weit offenem Schnabel vortrugen. Jeder Vogel hat seinen charakteristischen Gesang – nur können das bei einer Art mehrere verschiedene Melodien sein. Hinzu kommt, dass es auch so genannte Spötter gibt, also Arten, die andere Arten (aber auch andere Geräusche wie bspw. das Klingeln eines Mobiles) nachahmen können. Freuen Sie sich daher nicht zu früh, wenn Sie im März einen Pirol hören – er entpuppt sich meistens als Star. Ein anderes Beispiel ist der Eichelhäher, der das Miauen eines Mäusebussards verblüffend ähnlich vortragen kann. Als wäre das nicht alles schon genug kompliziert, singt ein Vogel nicht nur, sondern er ruft auch! Rufe werden von beiden Geschlechtern kundgetan und dienen der Kommunikation. Es gibt für fast jede Situation einen bestimmten Ruf. Und bei gleichen Familien klingen die Rufe ähnlich – was es noch schwieriger macht als bei Gesängen, die richtige Art hinter einem bestimmten Ruf herauszufinden.

Im Wald erwartete die Gruppen nun der Gesang von diversen Arten. Neben dem Rotkehlchen der laute und fast alles übertönende Gesang des Kleibers, mal langsamer, mal schneller vorgetragen. Oder das schmetternde Trillern des Zaunkönigs, das „Zyt-isch“ der Kohlmeise oder der heisere Vortrag der Ringeltaube, der klingt als würde sie sagen „Hol Suurchrut Ruedi!“. Es gibt auch Vögel, die sich mit ihrem Gesang gleich selber vorstellen. Einer der bekannteren wäre der Kuckuck oder der jetzt im März singende Zilpzalp. Mit kleinen Schritten und dafür umso grösseren Ohren bewegten wir uns durch den Wald und lauschten. Wenn gerade Stille herrschte, bekamen wir das eine oder andere Interessante über die Gefiederten zu hören. Dass der Zaunkönig mehrere Nester anlegt, damit sich die Auserwählte eines davon aussuchen kann oder dass der Specht seine Zunge inwendig um den Schädel wickelt, wenn er sie gerade nicht braucht. Nebenher liess sich das eine oder andere Eichhörnchen blicken und sogar zwei Rehe rannten durch den Wald und liessen ihre weissen Spiegel blitzen.

Im März sind schon einige Vögel wieder zurück von ihrem Überwinterungsquartier und diese galt es zu erlauschen und zu sichten. Neben den bereits genannten wäre da der unermüdliche Buchfink, der seine Strophe bis zu 2000 Mal pro Tag wieder gibt. Gehört wurde aber auch der „Polizeiruf“ des Eichelhähers oder der melodiös flötende Gesang der Amsel. Emsig aber ohne einen Laut von sich zu geben, trippelte ein Gartenbaumläufer munter den Stamm hinauf, im Hintergrund trommelte der Buntspecht, der sich später auch zeigte, daneben war das harte Schackern der Elstern zu hören, Blaumeisen tirilierten munter und majestätisch flog ein Schwarzmilan, gefolgt von einem Rotmilan, über die Hügelkuppe – es wurde wahrlich auch heute wieder etwas geboten. Nicht zuletzt begleitete uns das aufmunternde Lachen des Grünspechts, so dass es einem fröhlich anmutete. Am Schluss des Spazierganges wurden wir von erneutem Tschilpen verabschiedet, diesmal von einem Trüppchen Feldspatzen. Der heisse Tee zum Ausklang, spendiert vom NVV Höngg, war nach so vielen Eindrücken sehr willkommen. Dass dieser Spaziergang wieder ein Erfolg war, dank Lydia, Verena, Michael und Simon, dem Leitungsteam, war den anregenden Gesprächen beim Tee anzuhören. Auf den nächsten Spaziergang darf man wie immer gespannt sein: Er führt uns zum ersten Grün in die SeedCity, dem Gemeinschaftsgarten bei der ETH Hönggerberg und weiteren Frühblühern im Wald.

Denise Thoma

  • Kleiber k Ernst
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  • Baumlufer k Ernst
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  • Zaunknig k Ernst
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