Der heutige Naturspaziergang führte uns zur Champignonszucht und zu den Melonen auf dem Hönggerberg und zu den Blumen und Kräutern im Hönggerwald. Rund 50 Personen versammelten sich bei der Bushaltestelle Hönggerberg bei fast schon sommerlichen Temperaturen, um sich, aufgeteilt in drei Gruppen, einerseits die seed city auf dem Hönggerberg zeigen zu lassen und andererseits essbare Pflanzen kennenzulernen.

 

Die seed city, der Name soll an die Science City der ETH Hönggerberg erinnern, auf deren Boden der Garten auch angelegt ist, entstand aus einem Projekt 2011 und ist heute als Verein organisiert. In diesem Verein können alle mitmachen, die interessiert sind an einer zukunftsfähigen Nahrungsmittelversorgung und sich so mit eigenem Biogemüse versorgen können. Doch der Garten ist noch mehr: Im Namen versteckt sich auch das Programm, denn der Garten soll auch zukunftsfähiges Wissen vermitteln und so einen Samen für die Zukunft sähen. Dabei baut seed city auf die so genannte Permakultur auf, was wiederum ein Zusammenzug von „Permant Agriculture“ ist. Darunter versteht man, wie es auf der Homepage heisst, „ ... ein bewusstes Gestalten und Erhalten landwirtschaftlich produktiver Ökosysteme, die die Vielfalt, die Dauerhaftigkeit und Selbsregulierungsfähigkeit natürlicher Ökosysteme aufweisen“ (http://www.seedcity.ch/permaculture/, abgerufen am 10.04.2017 / 19:00). Wie gut im Einklang mit der Natur gearbeitet wird, zeigte der Rundgang eindrücklich. Neben einem Folientunnel, in dem Melonen, Spinat, Physalis, usw. gepflanzt und geerntet wird, gibt es einen Trockenkräuterbiotop mit u. A. Salbei, Wermut, Thymian. Ein kleiner Obstgarten ist ebenso zu finden wie auch ein Champignonsgarten. Eindruck machte insbesondere die Komposttoilette, die scheinbar absolut geruchslos funktioniert – auch bei längeren nassen Wetterperioden, wie uns Barbara, die durch den Garten führte, versicherte. Der Verein ist übrigens für jeden offen und kann jeweils Mittwoch- und Sonntagnachmittag besucht werden.

Danach drehte sich alles um den Frühling und die Frühblüher. Die erste Frage, die sich uns stellte war daher: Wann fängt denn eigentlich der Frühling an? Das kommt darauf an, ob man ihn meteorologisch, astronomisch oder phänologisch, also nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen, bestimmt. Uns interessierte vor allem Letzteres. Wenn die Schneeglöckchen zu blühen beginnen, spricht man vom Vorfrühling. Die zweite Phase des Frühlings, der Erstfrühling, zeigt sich unter anderem, wenn die Forsythie blüht. Der Vollfrühling schliesslich zeigt sich dadurch, dass der Flieder und die Apfelbäume zu blühen beginnen. Dieses Jahr ist der Vollfrühling seiner Zeit voraus und die Frühblüher, die eigentlich das Thema waren, schon fast verblüht. Uns nahm es Wunder, wie es den Frühblühern gelingt, obwohl im Winter keine Photosynthese möglich ist, dennoch zum Teil durch den Schnee ihre Blüten auszutreiben. Das Geheimnis liegt darin, dass sie über den Winter einen Speicher – in Form von Zucker oder Stärke – in bestimmten Pflanzenteilen anlegen können. Der Bärlauch beispielsweise speichert die Kraft in einer Zwiebel. Ein weiterer Trick wendet der Waldmeister oder das Buschwindröschen an; sie speichern die Energie in so genannten Rhizomen. Das Scharbockskraut schliesslich besitzt dafür Wurzelknöllchen. Neben der gespeicherten Energie hilft ihnen auch, dass so früh im Jahr das Kronendach der Bäume noch nicht geschlossen ist und so die Sonnenstrahlen bis auf den Waldboden vordringen können. Nun machten wir uns auf den Weg, um die Frühblüher im Wald kennenzulernen. Dabei half das grosse fachliche Wissen der Leiterinnen, die vorgängig beim richtigen Pflänzchen jeweils eine Tafel aufhängten mit interessanten Informationen. So erfuhr man, dass die Gundelrebe (Gundermann) für Tiere giftig, für Menschen aber bei Eiter und Geschwüren (Gund bedeutet Eiter, Sekret oder Beule) oder Bronchitis und bei Verdauungsstörungen (sie enthält ätherische Öle und Bitterstoffe) angewendet werden kann. Oder dass der Knoblauchhederich im französischen Sängerkraut genannt wird, da er gegen Husten und Heiserkeit verwendet wird. Doch Vorsicht, nicht alle „Kräutchen“, die im Wald zu finden sind, sind geniessbar oder zumindest nicht in grösseren Mengen: Der Waldmeister ist leicht giftig, und wenn man eine Waldmeisterbowle genossen hat und danach Kopfweh verspürt, kann das mehrere Ursachen haben. Oder dass selbst die Berührung des Aronstabes Rötungen der Haut und Blasenbildung verursachen kann. Auch sind längst nicht alle Pflanzen im Wald wohlriechend. Das Bingelkraut, das frisch leicht giftig ist, riecht getrocknet nicht besonders gut und bekam darum im Volksmund den Namen „Stinkerich“. Es gab noch viele weitere Informationen und das Interesse, aber auch das Staunen wuchs von Frühblüher zu Frühblüher, an denen man sonst meistens achtlos vorbeiläuft – mit Ausnahme des Buschwindröschens, das den Waldboden wie ein Sternenmeer übersät.

Am Schluss offerierte der NVV Höngg eine Stärkung in Form von – sie ahnen es – verarbeiteten Frühblühern. Probieren konnte man beispielsweise Brennesseltee oder Bärlauchquark oder ein Cracker mit Gundelrebe (Gundermann). So gestärkt machten wir uns, angeregt und mit einigen neuen Ideen, auf den Heimweg. Auf den nächsten Spaziergang darf man wie immer gespannt sein: Er führt uns auf eine Frühsommerwiese, die den Sommer hoffentlich erahnen lässt.

Denise Thoma

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