Ein toller Exkursionsleiter führte in ein spannendes Gebiet mit 54 beobachteten Arten. Eindrückliche Fotos und ein detaillierter Erlebnisbericht sind Zeugen dieser gelungenen Exkursion. Nicht alle Rätsel konnten aufgelöst werden, siehe unter Punkt 11 und Eingangsbild.

Herzlichen Dank allen die dazu beigetragen haben!

 Nach einer weitgehend gemeinsamen Anreise am frühen Morgen des 14. Mai 2017 begann die Veranstaltung um 7h30 mit einer kurzen Einleitung über die Geschichte des Gebiets durch den Exkursionsleiter Stefan Wymann. Wir waren, ihn mitgezählt, 9 Leute.

Die flache landwirtschaftlich genutzte, mit Hecken durchzogene Landschaft entstand durch Trockenlegung eines Sees Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem schon ab 1820 Torf abgebaut wurde. Sie war um 17'000 v. Chr. einer von drei Seen, an dem Pfahlbauer siedelten. Ein Informationspavillon und Wegweiser zu Fundstellen sind im Gebiet vorhanden. Beim Schutz und Aufbau des für den Kiebitz geeigneten Lebensraums spielt Vogelwarte Sempach die führende Rolle. Am Rand des Gebiets, das uns eigentlich interessiert ist ein Gefängnis, das seit 2010 als Ausschaffungsgefängnis dient. Im 2. Weltkrieg war es ein Internierten-Straflager mit unhaltbaren Zuständen, die später geahndet wurden, seit 1947 eine Strafanstalt, nach Umbau 1979-83 mit halboffenem Vollzug.

Die Exkursion galt aber den Vögeln. Wie immer heisst das, dass man sich viel Zeit nimmt zum Beobachten und Hinhören. Ein Wanderer ohne dieses Ziel würde auf unserem Weg fast nichts sehen und könnte schon mit dem 9h-Zug die Rückreise antreten. Das Gebiet zeigte uns nicht nur diesen atraktiv aussehenden Kiebitz, sondern wartete mit zahlreichen kleinen Erlebnissen und Rätseln auf:

  • Begruessung k
  • Kiebitz Junge k
  • Goldammer k
  • Nilgans k
  • P1060728 k
  • DSCF07561 k
  • Turm k
  • DSCF07621 k
  • DSCF07901 k
  • Feldhase k
  • Mittagessen k
  • Wiesenweihe1 k
  • Wiesenweihe2 k
  • Neuntoeter Schwarzkehlchen k
  • Frosch k

1. Ein offenes Hüttchen hatte aussen einen grossen Nistkasten. Feldspatzen waren ums Hüttchen und vorwiegend in einem Gebüsch. Es war sicher keine Schleiereule da, denn es fehlte das Gewölle.

2. Der Weg führte entlang einer niederen Hecke, in der viele Gebüsche von einer Gespinstmotte befallen waren. Beim Strauch handelte es sich um ein Pfaffenhütchen, das Gespinst um jenes de Pfaffenhütchen-Gespinstmotte. Motten als Lebendfutter für wen?

3. Durch eine Lücke zwischen den Gebüschen sahen wir das erste Kiebitz-Paar auf einem brauen Acker. Es turnten noch 4 Kiebitz-Küken in den Schollen des Ackers herum. 4. Einmal bekannt mit dem Kiebitz, sahen wir durch den Feldstecher auf vielen entfernteren Äckern weitere Kiebitze. Auch mehrere Weissstörche waren auf den Feldern und ein Graureiher.

5. Um die Nester der Kiebitze vor dem Fuchs zu schützen, wurden auf einigen Aeckern Zonen mit Elektrozäunen eingehagt. Was aber schützt Eier und Jungvögel vor den Raubvögeln?

6. In der Nähe der höheren Hecken bot sich kurzzeitig eine verkehrte Welt: Goldammern waren für einmal auf dem Acker zu sehen, dafür landeten die vorbeifliegenden Nilgänse auf hohen Bäumen und blieben dort eine ganze Weile.

7. Entlang einer höheren Hecke wurde das Konzert der Vogelstimmen intensiver. Wir nehmen uns viel Zeit zum Hinhören: der Leiter und die Teilnehmer machen immer wieder auf Vogelarten aufmerksam, die sie hören.

8. Einen sehr variablen Gesang machte der Exkursionsleiter zunächst als den eines Sumpfrohrsängers aus. Später kamen ihm Zweifel: waren da nicht Gesangselemente von einem Spötter? Klärung brachte erst der Anblick des wegfliegenden Sumpfrohrsängers.

9. Auf dem Beleuchtungsmast eines Spielfelds wurde zunächst ein Turmfalkenmännchen gesehen. Später eine Beuteübergabe vom Männchen ans Weibchen auf einem anderen Mast. Das Weibchen flog zum ersten Mast zurück und blieb lange am Nistkasten, der dort weiter unten montiert ist. Sicher fütterte es dort die Jungen.

10. Wir erreichten gegen Osten gewendet bei den Teichen einen offenen Beobachtungsturm, der Ausblick auf der dahinter liegenden Teich- und Sumpfgebiet gewährt. Die Frösche lärmen. Zu sehen war neben anderem auch ein Zwergtaucher und eine Rohrammer.

11. Wieder unterwegs entlang dem ersten Teich hörte man den Teichrohrsänger mit seinem viel einfacheren Gesang als dem des Sumpfrohrsängers. Später sahen die meisten der Gruppe ein Exemplar dieser Art in einem Schilfband. Es war offenbar immer wieder verborgen, aber wenn es sich zeigte, hatte der Kopf die falsche Farbe, nämlich weiss. Einem Teilnehmer mit guter Kamera gelang eine Dokumentationsaufnahme. So etwas hatte noch niemand aus der Gruppe je gesehen! Wer hat eine Erklärung?

12. Um die Mittagszeit erreichten wir südlich des Sumpfgebiets eine kleine Hütte mit Sitzbank, wo wir und aus dem Rucksack verpflegen. Das schöne warme Wetter, das uns seit dem Aussichtsturm begleitet hatte, war vorbei, es wurde kühler und zunehmend kamen drohende schwarze Wolken, wie sie schon lange im Südwesten standen, ganz in die Nähe. Schon wieder in der Regenjacke, folgten wir einer alleeartigen Hecke.

13. Eine Wiesenweihe zog ihre Runden in einem Feld und vor einem Gehölz. Plötzlich wurde sie von einem Kiebitz in einen Luftkampf verwickelt und vertrieben.

14. Nun gingen wir auf einer Feldstrasse zwischen Feldern Richtung Westen. In der Wiese leuchteten die Kuckuckslichtnelke und die Ackerwitwenblume. Der brachliegende Acker war schwarz; Torf dachten wir, ein ehemaliges Hochmoor. Einem weiter weg legenden Feld entlang rannte ein Feldhase und die Wiesenweihe zog in der Ferne weiter hin und her, erbeutete ein Kleintier und stand dann für die Mahlzeit in der Nähe einer Häusergruppe in einem Feld.

15. Es begann zu regnen, später, zwar als während der Mittagspause von einer App prognostiziert, aber mit 18 Minuten genauso lange. Vom Regen profitierten später die Stare, darunter auch Jungstare mit hellem Rücken, welche im braunen Acker neue Nahrung fanden.

16. Wir waren nun auf dem Rückweg nordwärts neben dem Sumpfgebiet, in das wir vom Turm her geschaut hatten. Auf einem Viehdraht neben einem Gebüsch sassen ein noch unausgefärbtes junges Rotkehlchen und ein Schwarzkehlchen. Hinter dem Schilfband sind höhere Gebüsche und kleine Bäume. Hier war neben einigen Feldspatzen ein Neuntöter zu sehen und das Schwarzkehlchen war nun auch da.

17. Ein Vogelnest in der Hecke wurde von der Sumpfmeise besucht, die vorher zu hören war.

18. An der Stelle, wo am Morgen die Kiebitzfamilie war, sahen wir nur noch den Vatervogel am Feldrand. Nach einer Weile kam eines der Küken aus dem benachbarten Winterweizenfeld mit seinen vielleicht 30 cm grossen Pflanzen. Nur ein paar hundert Meter weiter stand ein Falke rüttelnd in der Luft. Offenbar bieten die Pflanzen und der kampfbereite Altvogel im Durchschnitt den Jungen genügend Schutz fürs Ueberleben im Gebiet.

Zur Schlussrede von Stefan Wymann mag ich nicht auf das niedere Mäuerchen sitzen, denn mein Rücken hat Müdigkeit angemeldet. Die meisten von uns treten den Heimweg wieder gemeinsam an. Wir nehmen, eine halbe Stunde früher als geplant, den 16h Zug, denn nach dem Regenguss waren wir auf dem Rückweg etwas schneller. Die fast 7 Stunden, die wir länger hatten als der schnelle Wanderer, haben sich mehr als gelohnt.

Paul Beck, Fotos Ernst Betschart, Barbara Nikles, Dorothee Häberling

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