Die oben genannten Hauptdarsteller des Spaziergangs machten es ganz schön spannend und glänzten zu Beginn des Abends durch Abwesenheit. Nur ein paar ferne Mauersegler, erkennbar an den sichelförmigen Flügel und der eher starren Körperhaltung, kreuzten über uns.

 

Die Spannung blieb ungemindert erhalten, als wir uns, geleitet von Dorothee Häberling und Verena Steinmann, dem stadteigenen Biobetrieb Waidhof der Familie Götsch näherten. Dort angekommen hiess es dann aber urplötzlich Freiluftbühne frei und die Seebacher Mehl- und Rauchschwalben hatten ihren glanzvollen Auftritt. Über unsere Köpfe hinweg jagten sie mit schwindelerregender Geschwindigkeit und Kunstfertigkeit nach Insekten. Die Rauchschwalben flitzten dabei immer wieder in das alte Stallgebäude, während die Mehlschwalben ihre Köpfe in die künstlichen Nester des drei Jahre alten turmartigen Schwalbenhauses steckten. Frau Götsch, die uns herzlich empfing, erzählte uns von ihrem persönlichen Anliegen, sich um die Schwalben zu kümmern. „Denn wenn man ihnen nicht Sorge trägt und ihnen ein Zuhause bietet, bleiben sie einfach weg“, sagte sie. Und das wäre ein grosser Verlust.

Schwalben sind nämlich überaus ortstreu und fliegen jedes Jahr aus den afrikanischen Überwinterungsgebieten wieder exakt an die gleiche Stelle zurück, wo sie herkamen. Deshalb ist es wichtig, dass sie dort genügend Nistgelegenheiten vorfinden. Eigentlich würden sie ihre Nester ja selber bauen. Da aber in unseren heutigen aufgeräumten Siedlungen und Kulturlandschaften die dazu benötigten feuchten Lehm- und Erdklümpchen in der richtigen Qualität selten geworden sind, brüten die Schwalben auch gern in künstlichen Nestern. Das Seebacher Schwalbenhaus, das in einer Lehrlingswerkstätte der Stadt Zürich gebaut wurde, bietet 40 Mehlschwalbenpaaren Platz.

Wahrscheinlich seien gar nicht alle Nester besetzt, sagte Frau Götsch. Das konnte man angesichts des regen Treibens rund um den Turm fast nicht glauben. Wenn man sich auf die Zehenspitzen stellte, konnte man durch den Feldstecher sogar hie und da einen Blick auf den weit aufgesperrten gelben Schnabel eines Jungvogels werfen.

Unterdessen bekamen wir anhand von Schablonen anschaulich gezeigt, wie man Mehl- und Rauchschwalben in ihrem schnellen Flug unterscheiden kann. Mehlschwalben sind auf der Bauchseite bis unter den Schnabel weiss, während bei Rauchschwalben die Kehle und das Gesicht dunkel erscheinen. Bei der Drehung auf den Rücken fällt bei der Mehlschwalbe der weisse Bürzel auf, die Rauchschwalben sind einheitlich dunkel. Einfach. Oder?

Anschliessend führte Frau Götsch uns in den alten Stall, wo uns ein paar Kälber begrüssten. Sie zeigte uns nicht wenige Rauchschwalbennester, die im Gegensatz zu denen der Mehlschwalben oben offen sind. Rauchschwalben nisten nur in Ställen, in denen sich auch wirklich Tiere aufhalten. Warm und fliegenreich muss es sein. Wir sahen Rauchschwalben, die ihre Jungen fütterten, Rauchschwalben, die unter dem Dach sassen und melodiös zwitscherten, Rauchschwalben, die andere jagten. „Hier herrscht fast schon Dichtestress“, sagte Frau Götsch. Das stimmte mit Sicherheit für das Nest mit vier schon ziemlich grossen Jungvögeln, die wie auf Kommando alle gleichzeitig ihre Schnäbel aufsperrten, wenn die Mutter kam und sie genauso gleichzeitig wieder schlossen, wenn sie ging. Interessant, wie sie bei dieser Gelegenheit den Kot abtransportierte, den ein Junges ihr darbot.

Durch die auffällig insektenfreie Scheune ging es zurück zum Ausgangspunkt. Wenn man wollte, konnte man sich aus dem vierundzwanzig Stunden zugänglichen gedeckten Automaten mit eigenproduzierten Eiern, Milch, Honig und anderem eindecken, was viele wollten. Eine gar nicht schüchterne Rauchschwalbe, die auf einem Rohr neben ihrem Nest sass (ja, keine Tiere im Raum, die Ausnahme bestätigt etcetera!), gab dabei den letzten Soloauftritt. Dann wartete ein Schlorzifladen aus der toggenburgischen Heimat von Frau Götsch auf uns. Der war wie der ganze Abend: einfach inspirierend.

Pia Schad

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