Nachdem ich die Exkursion am Samstagabend abgesagt hatte, entschloss ich mich am Sonntagmorgen früh auf Grund des Wetterberichts des Meteoradars, der ab Mittag trockenes Wetter versprach, sie doch noch durchzuführen. Die interessante Zeit beim Bartgeierbeobachtungsstand ist immer sehr kurz und das Weibchen hatte am Freitag seinen Jungfernflug absolviert. Wenn die Vögel einmal fliegen, ist gar nicht sicher, ob man sie noch sieht. Also versuchte ich alle angemeldeten Teilnehmer per Telefon oder Mail zu erreichen, um ihnen mitzuteilen, dass die Exkursion mit zweistündiger Verspätung doch noch stattfinden würde. 8 Teilnehmer sahen meine Nachricht und hatten auch noch kein Alternativprogramm.

 

Und wir hatten Glück: Das erste Fotosujet, eine verirrte Maulwurfsgrille, die sich an den Randstein drückte, begegnete uns bereits in Sarnen. In der Melchsee –Frutt kamen wir just nach den letzten Tropfen an und es blieb den Rest des Tages trocken. 2 Alpensalamander kreuzten unseren Weg, den ganzen Tag durch konnten wir unzählige Bergpieper bei ihrem Singflug beobachten und Hänfling, Steinschmätzer und Ringamsel liessen sich mehrmals aus kurzer Distanz genau betrachten. Das Total an Vogelarten war mit 20 niedrig, was damit zusammenhängt, dass die ganze Wanderung (wir zählten die Vögel nur auf der Melchsee – Frutt) oberhalb der Waldgrenze stattfand.

Gegen den Schluss kamen wir zeitmässig ziemlich ins Schleudern, denn das letzte Postauto fuhr um 17.39 Uhr. Deshalb hatten wir am Bartgeierbeobachtungsstand nur eine Viertelstunde Zeit. Aber was für eine Viertelstunde! Johannes, (das Weibchen war leider in der Nacht auf Samstag verstorben, Todesursache noch nicht bekannt) hatte den Neststandort verlassen und sass in einer Felswand, wo er von Alpendohlen gemobbt wurde. Das veranlasste ihn zu flügeln, wodurch wir die gebleichten Federn gut sehen konnten. Diese gebleichten Federn erlauben Beobachtern ihn in den nächsten 2-3 Jahren zu identifizieren, da Bartgeier als sehr grosse Greife ihre Schwung- und Schwanzfedern nicht jedes Jahr mausern.

Dass in einem Steinhaufen oberhalb des Beobachtungstandes ein Steinrötelmännchen sein Junges fütterte, rundete unsere Exkursion noch sehr schön ab. Es hätte auch anders kommen können...

So nahmen wir denn Abschied und marschierten die habe Stunde zurück zur Tannalp, wo wir das Fruttli – Züglein bestiegen und dann mit Gondelbahn, Postauto und Zug zurück nach Zürich gelangten.

Susanne Ruppen (Text), Ernst Betschart (Fotos), Barbara Nikles (Fotos), Elias Biegger (Fotos)

  • Alpensalamander 170625 1102 58 k
  • DSCF2179 k
  • Bartgeier 1 k
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  • Murmeltier 170625 1146 43 3 k
  • DSCF2188 k
  • Bartgeier juv 170625 1449 11 k
  • Bergpieper 170625 1251 21 2 k
  • Bluthnfling 170625 1116 13 k
  • DSCF2210 k
  • Kolkrabe 170625 1149 03 3 k
  • Steinrtel 170625 1442 23 4 2 k
  • DSCF2213 k
  • DSCF2225 k
  • DSCN9275 k
  • DSCN9319 k

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