Der heutige Naturspaziergang gab Gelegenheit, einen Einblick in die Vereinsarbeit des Natur- und Vogelschutzvereins Höngg – kurz NVV Höngg – zu erhalten, aber auch Höngg aus einem neuen Blickwinkel kennenzulernen. Es versammelten sich rund 45 neugierige Personen (davon vier Kinder) vor der ZKB, um sich von den speziellen Naturwerten in Höngg begeistern zu lassen. Sie wurden begrüsst von den fast vollständig anwesenden Vorstandsmitgliedern.

Steinlinse kMit der Aufwertung von Gebieten wird die Biodiversität gefördert, um ein Hotspot zu schaffen. Es sei nochmals kurz daran erinnert, dass mit Hotspots in der Biologie Gebiete mit aussergewöhnlich hoher Artenvielfalt bezeichnet werden. Ein solches Gebiet wurde beispielsweise am Rebberg geschaffen, wo im Rahmen der Kampagne 100xZüriNatur 2013 eine Hecke mit dornenreichen Büschen und Wildrosenarten gepflanzt wurde für Vögel wie Girlitz, Distelfink oder Bluthänfling, die aber auch Reptilien einen zusätzlichen Lebensraum bietet. Für Letztere sind auch die Steinlinsen gedacht, also haufenförmige Steinansammlungen, neben die sich Wurzelstrünke und sandige Flächen gruppieren. So sonnen sich wieder vermehrt Mauereidechsen am Rebberg und vermutlich dürften einige Blindschleichen unterwegs sein. Eine Blumenwiese, blütenreiche Streifen rund um die Hecken und eine artenreiche Kiesflora ergänzen die Aufwertung des Rebberges.

GlgglifroschEin weiteres Gebiet, wo sich der NVV engagiert, ist in Oberengstringen zu finden, genauer bei den drei Weihern im Loch, die künstlich angelegt wurden. Staumauern halten das Wasser des Weidtobel- und des Fürtlibachs zurück. Den NVV verbindet eine lange Geschichte mit diesem Gebiet, doch lesen Sie dazu mehr auf unserer Homepage. In den Weihern findet der seltene Glögglifrosch, unter seinem deutschen Namen Geburtshelferkröte, einen Lebensraum. Seine Lebensweise ist einzigartig unter den Amphibien. Wochenlang trägt der Krötenvater die Eier huckepack und liefert diese, sobald die Kaulquappen schlupfbereit sind, am Gewässer ab. Daher rührt sein deutscher Name, den schweizerdeutschen Namen hat er von seinem Paarungsruf, der an ein Glöckchen erinnert. Über die Kröte gäbe es noch so manches zu erzählen, doch wäre dies ein eigener Artikel wert. 

Blutstrpfchen kAls weiterer Standort sei hier der Ruggernweg erwähnt, wo der Verein Hochstammobstbäume bewirtschaftet mit einer extensiv genutzten Wiese, die im Sommer nur so von Insekten summt und brummt und die durch die Grillen und Zikaden schon fast ein südländisches Ambiente ausströmt. Ein grünes Heupferd machte heute den Spaziergängerinnen seine Aufwartung. Zahlreiche Tierarten profitieren von diesem Lebensraum mit seinen Nahrungsquellen. Baumhöhlen bieten Feldsperling und Star aber auch Siebenschläfern und Fledermäusen eine Brutmöglichkeit. Totholz und Hecken Unterschlupf für Insekten und Kleinsäuger. Auf den Magerwiesen am Ruggernweg und am Kappenbühl kehrten so das Bluttröpfchen, der Wiesensalbei oder die Trespe, um nur einige Arten zu nennen, zurück.

Mehlschwalbe kBeim Rundgang wurden nicht nur Hotspots besichtigt und erwähnt sondern auch einige Projekte vorgestellt wie das erfolgreich durchgeführte Mehlschwalbenprojekt. In Höngg lebt die grösste Mehlschwalbenkolonie auf Stadtgebiet. Ziel des Projektes war, das Brutplatzangebot zu erhalten und durch zusätzliche Massnahmen zu erweitern. 2016 wurden 150 neue Nisthilfen zusätzlich für die Mehlschwalben bereitgestellt. Das neue Wohnungsangebot wurde dankbar angenommen: 2014 zählte die Projektleiterin 83 Brutpaare, 2015 waren es 79 und 2016 103 Brutpaare. Der Trend zeigt für den Vogel auf der roten Liste glücklicherweise noch immer aufwärts.

Sozusagen zum Standard eines Vogelvereins gehört die Betreuung von Nistkästen. Waren es in den 1950-er Jahren noch 700 Nistkästen, die betreut wurden, sind es heute 100. Dank einem Umdenken in der Forstwirtschaft gibt es vermehrt wieder Naturhöhlen. Die Nistkästen werden hauptsächlich von Kohl- und Blaumeisen genutzt, vereinzelt auch von Kleibern und Feldspatzen. Leider können damit keine seltenen Arten gefördert werden. Im Herbst werden die Nistkästen von Freiwilligen gereinigt und von Parasiten befreit. Bei der Reinigung entdeckt man vereinzelt auch, dass ein Siebenschläfer oder Hornissen darin gehaust haben.

Grundkurs kEin wichtiges Anliegen eines jeden Naturschutzvereins ist die Sensibilisierung und Weiterbildung. So bietet der NVV Höngg immer in den ungeraden Jahren einen ornithologischen Grundkurs an, wo rund 60 Vogelarten in ihren Lebensräumen vorgestellt werden. Geübt wird die Bestimmung anhand des Gefieders oder anderer Körperteile aber auch akustisch über den Gesang. Für Fortgeschrittene gibt es einen mehrere Semester dauernden Feldornithologiekurs in Zusammenarbeit mit BirdLife Zürich. Darauf aufbauend gibt es noch weitere Vertiefungskurse. Mit neun Naturspaziergängen pro Jahr und sechs bis acht längeren Exkursionen ermöglicht der NVV seinen Mitgliedern und Gästen einen von Fachkräften geleiteten Blick in die Natur und Vogelwelt.

Zuletzt sei noch erwähnt, dass der NVV Höngg zusammen mit dem Quartierverein Höngg jedes Jahr eine Waldweihnacht feiert. Im Wald wird ein grosses Feuer entfacht und eine spannende Geschichte für Jung und Alt erzählt.

Die Sonne stand schon am Horizont als am Ruggernweg die Naturspaziergänger ein vom NVV Höngg spendierter Apéro erwartete. Die Natur im schönen Herbstkleid betrachtend, ein Gläschen und ein Häppchen in der Hand, den Blick über die Stadt schweifend, klang der Naturspaziergang aus. Es war auch diesmal ein spannender Naturspaziergang, von dem hier nur punktuell berichtet werden konnte über das reiche Angebot und die vielfältigen Aktivitäten des NVV Höngg. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage.

Falls Sie noch Fragen haben oder über die Tätgkeiten des NVV Höngg weitere Auskünfte benötigen, Ideen oder Anregungen einbringen möchten: Zögern Sie nicht, mit uns zu sprechen. Zusammen für die Höngger Natur – das ist auch dank Ihrer Unterstützung möglich.

Auf den nächsten Spaziergang darf man wie immer gespannt sein: Er führt uns in den vorweihnachtlichen Winterwald.

Denise Thoma

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