Der heutige Naturspaziergang stand - nicht nur wegen des heftigen Windes - schon ganz im Zeichen des Herbstes. Allerdings ist die farbliche Veränderung der Blätter wie auch der Verlust derselben vor allem auch dem heissen und trockenen Sommer geschuldet. Entsprechend der Sonnenscheindauer produzierten die Bäume und Wildsträucher dieses Jahr ihre Früchte und Beeren in grossen Mengen. Die Tafel ist in diesem Herbst also reich gedeckt, was nicht nur die Vögel freut! Doch davon später.

 Ziel des heutigen Naturspaziergangs war es, die wichtigsten Wildsträucher, die Beeren tragen, genauer vor Ort zu betrachten. Der Fokus lag dabei auf den Beeren. Denn jetzt im Herbst sind diese leuchtenden Beeren nicht nur schön anzusehen und haben eine ökologische Bedeutung, sondern sie sind auch für uns Menschen von Nutzen. Von den vorgestellten Wildsträuchern, und da gab es einige, die bei uns heimisch sind, stellte sich daher rasch die Frage, sind die Beeren geniessbar oder giftig? Oder sind die Beeren zwar geniessbar, aber nicht schmackhaft? Und wie muss ich die Beeren verarbeiten? Und welchen Nutzen haben sie? Aber das ist noch nicht alles, was man bei der Verarbeitung von Beeren wissen sollte. Weitere Fragen, die sich stellen wären: Wie muss ich die Beeren verarbeiten, dass sie beispielsweise geniessbar sind? Was kann alles mit Beeren von Wildsträuchern gemacht werden?

Im Zentrum stand also nicht der ökologische Nutzen der Wildsträucher, also der Lebensraum und die Nahrungsgrundlagen, die Wildsträucher bieten, sondern die kulturhistorische Nutzung. Wilde Beeren wurden schon seit jeher gesammelt und gegessen. Obwohl sie relativ klein sind, sind sie vitamin- und mineralstoffreich. Sie stimulieren durch ihren Gehalt an Ballaststoffen die Darmtätigkeit. Und sie beinhalten eine grosse Menge an Stoffen, die in der Pflanzenheilkunde angewendet werden. Von den zwölf Wildsträuchern und deren Beeren sollen beispielhaft zwei bis drei kulturhistorische Nutzungen vorgestellt werden, mehr würde in diesem kleinen Artikel zu weit führen. Falls es Sie aber nach der Lektüre Wunder nähme, was es mit den anderen Beeren auf sich hat: Im Internet oder bei uns im NVV Höngg erfahren Sie mehr. Oder kommen Sie doch einfach das nächste Mal auf einen von unseren Spaziergängen mit!

Vielleicht noch ein kleiner Hinweis vorneweg: Das Risiko beim Essen von Wildbeeren mit dem Fuchsbandwurm angesteckt zu werden, ist nicht höher als beim Verzehr von landwirtschaftlichen Produkten. Degustation

Der am meisten verbreitete Wildstrauch ist der Hartriegel, doch leider sind die Beeren zwar geniessbar, aber nicht schmackhaft. Der Strauch fand dafür Verwendung zur Herstellung von Riegeln für Türen, da sein Holz sehr hart ist. Daher kommt auch sein Name: Hartriegel. Ein weiterer sehr verbreiteter Wildstrauch ist der Weissdorn. Die Beeren sind essbar und wirken herzstärkend. Wenn man die Beeren genauer betrachtet und auch in die Frucht hineinbeisst, offenbart sie ihre Verwandschaft mit Kernobstgewächsen, die wiederum zur Familie der Rosengewächse gehören. Diese Familie umfasst viele Obstarten wie Äpfel und Birnen mit den charakteristischen Apfelfrüchten. Probieren Sie es aus: Die Beere entpuppt sich als Mikroapfel! Der Geschmack allerdings ist gänzlich anders. Die Rinde des Strauches ist hell, daher kommt auch der Name Weissdorn und wie der Name sagt, handelt es sich um einen dornigen Strauch. Mit den Beeren lassen sich aber nicht nur Phytopharmaka herstellen, sondern sie schmecken auch als Marmelade, Mus oder Tee. Ein weiteres Beispiel ist der Schwarzdorn, auch Schlehe genannt. Dieser Strauch ist verwandt mit den Steinobstgewächsen, was an der Frucht, die an eine Zwetschge erinnert, aber vor allem auch wenn der Strauch in voller Blüte steht, offensichtlich ist. Wenn Sie die Frucht probieren, bevor sie frostigen Nächten ausgesetzt war, kann es passieren, dass die Frucht adstringierend wirkt, vulgo sehr sauer ist. In der Heilmedizin wird sie für Herzschwäche und bei Nervenschmerzen im Kopfbereich angewendet, sie hat ausserdem eine abführende Wirkung. Aus den Beeren kann auch Marmelade oder Saft gemacht werden. Beliebt sind die Früchte für die Herstellung von Likör, Schnaps und Fruchtweine.

Einige der oben genannten Zubereitungsbeispiele der Wildsträucherbeeren konnten am Schluss des Spaziergangs an einer kleinen Degustation probiert werden. Zur Auswahl standen zum Beispiel Kornelkirschensirup, Schnittchen mit Vogelbeer-Apfelmarmelade oder Kornelkirschenmarmelade, Weissdornfruchtmus, Weissdorntee und Vogelbeer-Apfel-Senf. Ich wage zu behaupten: Es hat allen geschmeckt! Das Rezept für die Kornelkirschen-Oliven war entsprechend sehr gefragt.

Frisch gestärkt wurden die rund 40 Naturspaziergängerinnen und –spaziergänger von den kundigen Leiterinnen und Leiter verabschiedet, bevor der Wind noch weiter auffrischte. Auf den nächsten Naturspaziergang, wo wiederum viel erfahren werden kann, darf man sich schon jetzt freuen, er wird uns in die geheimnisvolle Welt der Pilze führen.

Denise Thoma

Weissdornbeeren k Vogelbeere k Kornelkirsche3 k

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