Die Ringeltaube hält Einzug in unsere Nachbarschaft. Früher bei uns nur in Wäldern anzutreffen hat sich die Ringeltaube in den letzten Jahren weit ausbreiten können und ist nun immer öfter auch in Städten zu beobachten.

 Tauben haben im Allgemeinen einen eher schlechten Ruf – zu Unrecht! Sie sind intelligente Tiere mit einem ausgeprägten Orientierungssinn. So wurden bereits im alten Ägypten Felsentauben domestiziert und als Brieftauben eingesetzt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie sehr geschätzt als Überbringer von Eilbotschaften (sie können Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreichen!), bis ihre Aufgabe dann schliesslich von der modernen Telekommunikation übernommen wurde. Dennoch sind Tauben immer noch aktuell, so schaffte es die Ringeltaube vor zwei Jahren auf die Titelseite der Zeitschrift "Ornis".

Oft mit der Strassentaube (einer domestizierten Form der Felsentaube) verwechselt, erkennt man die vergleichsweise grosse Ringeltaube an ihren leuchtend gelben Augen, dem breiten weissen Querband an den Flügeln und dem typischen weissen Fleck am Hals, ähnlich einem Ring. Sie hat sich zur häufigsten Taubenart in Mitteleuropa entwickelt und dies wohl Dank ihrer Anpassungsfähigkeit. Trotz Bejagung durch Krähen und Raubvögel sowie dem Menschen konnte sie sich durchsetzen und hat sich unserer urbanisierten Landschaft angepasst. Nachdem sich Strassentaube und Türkentaube bereits in den Dreissigerjahren in die Städte gewagt haben, folgte in den letzten dreissig Jahren nun auch die Ringeltaube deren Beispiel. Heute ist sie die häufigste Taube der Schweiz und auch in Europa weit verbreitet, wobei ihr Brutbestand auf etwa 9-17 Millionen geschätzt wird.

Ein Teil ihres Erfolgsrezeptes macht sicherlich ihre geringe Scheue aus. Des Weiteren stellt sie keine hohen Ansprüche an ihre Nahrung oder ihren Niststandort. Im Geäst baut sie ein rudimentäres, aus dünnen Zweigen zusammengeflochtenes Nest, welches im Herbst leicht erspäht werden kann. Die Brutsaison ist sehr lang und kann von Februar bis November andauern. In dieser Zeit ziehen sie meist zwei Jungtiere gross, die sie mit der taubentypischen Kropfmilch füttern. Adulte Tiere ernähren sich hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung wie Blättern und Knospen, wie auch Eicheln und Bucheckern. Sie erfreuen sich gelegentlich der Früchte von Weissdorn, Wacholder und Efeu sowie verschiedenen Sämereien. Die Ringeltaube konnte sich dank ihrem breiten Nahrungsspektrum und ihrer bescheidenen Ansprüchen als Zivilisationsfolger ideal an unsere Lebensweise anpassen und fühlt sich heute auch Mitten in Zürich äusserst wohl.

 

 

Steckbrief

Merkmale: Grösste heimische Taube mit einer Länge von 38-43 cm; Hellgelbe Iris; Weisser Halsfleck bei Adulten; Flügel mit weissem Querband und schwarzen Handschwingen.

Gesang: Dumpfes, heiseres Gurren; repetitiv, fünfsilbig. Merkspruch: "Iss Suurchrut, Ruedi"

Zugverhalten: Kurzstreckenzieher: vor Allem von Ost- und Nordeuropa nach Westen ziehend, meist in grossen Trupps In südlichen Breiten sowie bei uns auch als Standvogel

Brutbiologie: Lange Brutsaison: Von Februar bis November Zwei Eier werden zweieinhalb Wochen in einem sehr simplen Nest bebrütet. Nachdem die Jungen geschlüpft sind werden sie noch fünf Wochen von den Elternvögeln mit Kropfmilch gefüttert und grossgezogen.

Brutbestand: Schweiz Hat sich in den letzten 25 Jahren fast verdoppelt und erreicht heute einen Bestand von 70‘000-90‘000 Individuen. Vor allem im Mittelland und tieferen Lagen heimisch; in Wäldern, Parks, Gärten und immer öfters Städten zu finden. Vorkommen Höngg: Oft im Hönggerbergwald anzutreffen; immer häufiger auch in der Siedlung und im Rebberg.

Go to top