Der Haussperling - Vom Allerweltsvogel zu einer gefährdeten Art?

Fast überall kommen Spatzen vor und werden doch kaum beachtet. Dabei ist diese Vogelart spannender als man denkt.

 

Wie keine andere Vogelwart ist der Haussperling ein mehr oder weniger gern gesehener Begleiter des Menschen. Heute brütet er überall dort, wo sich Menschen das ganze Jahr über aufhalten. Er ist anpassungsfähig und erkennt rasch mögliche Futterquellen. Blitzschnell nutzt er die Gelegenheit, an Brosamen der Gäste im Gartenrestaurant zu kommen, vor dem Mc Donald ein heruntergefallenes Pommes Frites zu schnappen oder in Lagerhallen zu schlüpfen. Der Haussperling ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken und selten vergeht ein Tag, ohne dass uns irgendwo einer begegnet.

Aber ob das auch in Zukunft noch so sein wird? Kam es früher noch zu behördlich angeordneten Vergiftungsaktionen, ist heute beim Haussperling ein regional starker Rückgang erkennbar. Im Bodenseeraum ging die Anzahl Brutpaare in den vergangenen 30 Jahren um über 40 Prozent zurück, im Kanton Zürich in 20 Jahren um mehr als 20 Prozent. Zu beachten ist dabei, dass sich der Lebensraum für den Haussperling durch das Wachstum der Siedlungsfläche eigentlich vergrössert hat. Es ist also davon auszugehen, dass der Rückgang auf die Abnahme der Lebensraumqualität und nicht auf den Lebensraumverlust zurückzuführen ist.

Der Rückgang des Haussperlings wird auf zwei Hauptursachen zurückgeführt: Einerseits der Verlust von Nistplätzen und andererseits der Rückgang der Insektennahrung. Durch den Trend zu möglichst pflegeleichten und sterilen Siedlungsbereichen und Gartenanlagen mit exotischen statt einheimischen Pflanzen und grossen versiegelten Flächen fällt es den Haussperlingen zunehmend schwer genügend proteinreiche Insektennahrung für ihre Jungen zu finden. Dieser Insektenmangel betrifft natürlich nicht nur die Haussperlinge, sondern fast alle Siedlungsvögel!

Der Haussperling ist heute noch keine gefährdete Art, wie dies im Titel suggeriert wird und wird es vermutlich auch nie werden. Allerdings ist sein Rückgang ein alarmierendes Zeichen für die sich verchlechternden Umweltbedingungen auch von „Allerweltsarten“.

 

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Fotos: Marcel Ruppen

Steckbrief

Merkmale
Grosser Kopf mit kräftigem Schnabel und kräftig schwarz gestreifter bräunlicher Rücken. Geschlechtsdimorphismus: Männchen mit schwarzer Kehle, grauem Scheitel und rotbraunen Kopfseiten. Weibchen/Jungvögel mit kontrastlosem, verwaschen braunen Kopf.

Gesang / Ruf
Äussert neben dem bekannten „Tschilpen“ bei der Balz ein hohes Pfeifen.

Zugverhalten
Überwiegend Standvogel. Nach der ersten Brutansiedlung sehr ortstreu. Der Aktionsradius beträgt während der Brutzeit nur ca. 50 Meter.

Brutbiologie
Monogame Dauerehe, allerdings sind Seitensprünge der Männchen üblich und 8-14% der Weibchen hat Fremdkopulationen. Das Weibchen legt 4-6 Eier, welche knapp zwei Wochen bebrütet werden, nach weiteren gut zwei Wochen sind die Jungen flügge und werden anschliessend noch etwa 14 Tage von den Altvögeln gefüttert. Die meisten Paare brüten 2-3 Mal, allerdings sind bis zu 4 Bruten möglich.

Brutbestand Schweiz
400’000 - 500'000 Brutpaare in der Schweiz.

Vorkommen Höngg
Regelmässiger Brutvogel in der Siedlung.

 

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