Bei strahlend schönem Herbstwetter fand der zweite Teil des Spaziergangs zu Hartriegel und Co. statt. Im Frühling waren die Wunder der Natur, die Knospen, das Thema – bei strömenden Regen, was aber dem Interesse und der guten Laune der Spazierenden nichts anhaben konnte. Nun war das Ziel des Spaziergangs wieder die grosse vielfältige Hecke an der Sonnenbergstrasse – der Name war heute Programm – die sich aus verschiedenen einheimischen Sträuchern zusammensetzt. Für diesen Spaziergang begrüssten Dorothee und Benjamin nun zum gedeckten Tisch für die Zugvögel, zum Heckenschmaus, denn die Knospen wurden von den Beeren abgelöst.

 

Dass der gedeckte Tisch zum Teil schon geplündert wurde, zeigte der erste Halt am schwarzen Holunder, wo verschiedene Finkenarten und Grauschnäpper sich bereits an den schwarzen Beeren gütlich taten. Weiter ging es zu einem blühenden Efeu, und das im Herbst! Diese immergrüne Kletterpflanze weist einige Besonderheiten auf: An hellen Standorten beginnt er im September bis Oktober in grünlich gelblichen Blüten zu blühen und bildet so eine Nahrungstankstelle für Hummeln, Bienen und andere Insekten. Entsprechend wuselte und summte es aus dem Efeu. So konnten wir auch den Admiral, ein Schmetterling aus der Familie der Edelfalter, bewundern, der am blühenden Efeu Kraft tankte, denn auch er ist auf dem Zug. Dieser relativ kleine Schmetterling zieht gen Süden und überquert somit erstaunlicherweise die Alpen! Nach dem Blühen des Efeus erscheinen etwa erbsengrosse schwarze Beeren, die im frühen Frühling reifen und unter anderem Amseln über die karge Jahreszeit hinweghelfen.

Bei der nächsten Biegung sah man bereits die grosse Hecke, die vor ein paar Jahren angepflanzt wurde und, wie uns Aufnahmen aus früheren Jahren zeigte, bereits erstaunlich gewachsen ist und so auch die Landschaft strukturiert. Ebenso neueren Datums ist der Obstgarten davor mit den Apfelbäumen, an denen Nistkästen hängen mit verschieden grossen Ein- und Ausfluglöchern je nach Vogelart. Dann war Einsatz gefragt: An den Sträuchern hingen Postkarten, auf denen Vögel abgebildet sind, die die Beeren der entsprechenden Sträucher gerne essen. So mussten nun einerseits die Vögel angesprochen als auch die Sträucher bestimmt werden. Bei der Auflösung gab es weitere interessante Informationen, so beispielsweise dass Vogelbeere und gemeiner Schneeball gerne vom Seidenschwanz gegessen werden. Das zweite eine Beere, die von den meisten anderen Vögeln gemieden wird. Daher sieht man diese bis spät in den Winter noch unversehrt rot an den Ästen hängend leuchten. Zum Seidenschwanz selber gibt es noch einige Anekdoten zu berichten. Dieser exotisch anmutende Vogel, er besitzt ein seidiges Gefieder und trägt eine schwarze Gesichts- und Kehlzeichnung sowie eine auffällige Haube, bleibt bei guten Angebot an Vogelbeeren im Winter in seinem nordischen Brutgebiet. Fehlt dieses Nahrungsangebot oder bei grossen Beständen unternimmt der Seidenschwanz grosse Wanderungen, die bis zum Mittelmeerraum reichen können. So kann der Seidenschwanz scheinbar unvorhersehbar zum Teil in grossen Massen auch bei uns auftreten. Früher galt das plötzliche Auftreten der fremden Vögel als schlechtes Vorzeichen für kommende Kriege oder Seuchen. Daher wurde der Seidenschwanz auch Pest- oder Kriegsvogel genannt.

Im Verlauf des Spaziergangs wuchsen so nicht nur die Kenntnisse über die Vögel, sondern auch das Wissen über die häufigsten einheimischen Sträucher wurde gefestigt. Das gelernte konnte dann am Ziel des Spaziergangs, bei der schon genannten grossen Hecke, eingesetzt werden. Die in allen Farben leuchtenden Beeren respektive die dazugehörigen Sträucher konnten nun benannt werden: Holunder und Liguster mit ihren schwarzen Beeren, Weissdorn und Hagebutte mit ihren roten Beeren und der Hartriegel mit seinen blauen Beeren. Selbst das Pfaffenhütchen leuchtete munter in Pink in der Sonne. Doch diese wunderschönen Hecken sehen nicht nur gut aus, sondern werden von den Vögeln regelmässig angeflogen. So brütete dieses Jahr beispielsweise der Neuntöter darin und zog seine Jungen auf. Jetzt im Herbst sind die Beeren für die Vögel eine wichtige Energiequelle auf ihrem langen Flug in die Winterquartiere. Beobachtet wurden diesen Herbst Braunkehlchen, Gartenrotschwanz oder Singdrosseln um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die Spazierenden genossen am Schluss die reifen Früchte des gedeckten Tisches. Angeboten wurden unter anderem selbstgemachte Liköre, Sirup oder Konfitüre der Schlehe (Schwarzdorn) und des Weissdorns. Auf den nächsten Naturspaziergang, wo wiederum viel erfahren werden kann, darf man sich schon jetzt freuen, er wird uns zum Herbstputz bei der Familie Meise führen.

Denise Thoma

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