Ein Dutzend Unentwegte liess sich von der schlechten Wetterprognose nicht abhalten und traf sich am Sonntag, 5. Mai zu einem Rundgang vom Katzensee zum Büsisee. Dieses Gebiet gehört zu dem vom Europarat festgelegten «Emerald Network of Areas of Special Conservation Interest». Die Gruppe bestand zur Hälfte aus erfahrenen Ornithologen mit Fernrohren ausgerüstet und zur Hälfte aus Grünschnäbeln. Trotz Kälte und Bise waren viele Vögel zu hören und zu sehen. Die Gruppe wurde belohnt, indem sie in der Schweiz seltene Vögel zu sehen bekam.

 

Im Vordergrund stand das reichhaltige Vogelkonzert. Es entstand ein reger Austausch unter Fachleuten, welche Melodie welchem Singvogel zuzuordnen sei. Die drei Leiterinnen, Ruth Fiechter, Claudia Rhiner und Pia Schad waren gut vorbereitet und vermittelten viel Wissenswertes über das Naturschutzgebiet und dessen Fauna und Flora. So lernten vor allem die Neulinge, dass die Stockente während der Mauser im Hochsommer flugunfähig ist und dass der Turmfalke und andere Greifvögel im sogenannten Rüttelflug in der Luft stillstehen und so den Boden nach Mäusen absuchen kann. Einen solchen Rüttelflug konnten wir gleich bei einem Turmfalken beobachten. Mit einprägsamen Merksätzen erleichterten sie das Erkennen von Vogelstimmen: Der Zilpzalp singt seinen eigenen Namen, der Buchfink ruft «gang, gang weg, susch speuz di a», die Singdrossel «Judith, Philipp» 3x und der Gartenbaumläufer «i blibe debi». Zu jedem der Sänger zeigten sie uns Fotos und Songramme. Wegen des schon dichten Blätterwerkes konnten wir jedoch mehrere Vögel nur hören und nicht sehen.

Die leicht unterkühlte Schar erwärmte sich schlagartig vor Begeisterung als am gegenüberliegenden Ufer des oberen Katzensees ein Rallenreiher ausfindig gemacht werden konnte. Dieser Zugvogel ist eigentlich nur südlich der Alpen verbreitet und verirrt sich nur selten in die Schweiz. Die freudige Entdeckung verbreitete sich schnell und schon bald trafen weitere Vogelfreunde am Katzensee ein, um den seltenen Vogel zu bewundern. Als ob sich dieser seiner besonderen Rolle bewusst wäre, blieb er mindestens eine halbe Stunde an derselben Stelle im Schilf stehen.

Es blieb jedoch nicht bei einer Entdeckung. Auch einen seltenen Steinschmätzer konnten wir auf einem Feld sichten und zum krönenden Abschluss gelang es uns auf Hinweis eines andern Naturfreundes, am Büsisee das Nest einer Waldohreule mit einem Elternpaar und mindestens zwei Jungen im dichten Geäst ausfindig zu machen.

Als Zusammenfassung gingen wir noch einmal alle Vögel, die wir gehört oder gesehen hatten anhand von Schautafeln durch – es waren über zwanzig. So bereute keiner der Teilnehmenden, dass sie oder er sich trotz schlechter Vorzeichen aufgerafft hatte und wir möchten den drei Initiantinnen danken, dass sie uns dieses unvergessliche Erlebnis ermöglicht haben.

Hans Ulrich Bucher, Grünschnabel (Text), Fotos Claudia Rhiner, Christian Ledergerber

Foto Katzensee 1 k  Foto Katzensee 2 k

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