Der heutige Naturspaziergang führte uns – eine Gruppe von rund 40 Personen – von der Bushaltestelle Rütihof direkt ins üppige Frühlingsgrün und mitten hinein in traditionell-volkstümliche Aussagen: Zu den Sprichwörtern und den geflügelten Worten. Keine Angst: Es ist heute niemand auf den Leim gegangen und es versteckt sich in diesem Bericht auch keine Zeitungsente. Dafür erfuhren wir viel von Pia, Silvana, Beni und Simon über die Herkunft und Bedeutung von Sprichwörtern und nebenbei auch einiges über Vögel.

Sprichwörter und so genannte geflügelte Wörter begleiten uns Menschen schon seit der Antike. Ihren Ursprung haben sie vielfach bei griechischen oder lateinischen Autoren, aber auch aus der Bibel. Es gibt auch modernere Sprichwörter. Wie nicht anders zu erwarten, kommt man dabei beispielsweise um die Altmeister der deutschen Dichtung nicht herum: Johann Wolfgang von Goethes Eiertanz ist ebenso berühmt wie Friedrich Schillers Axt im Haus.

Erstaunlich ist, dass eine Person hundert bis fünfhundert Sprichwörter nicht nur kennen kann, sondern sie auch in ihrem aktiven Wortschatz benutzt. Mit einem Sprichwort kann man in kurz gefasster Form in einem einprägsamen Satz gemachte Erfahrungen ausdrücken. Doch wie sieht es mit dem Wahrheitsgehalt der Sprichwörter aus? Und kennen wir jeweils die genaue Bedeutung, die dahinter steckt? 

 Eine ganze Reihe von Sprichwörtern haben Vögel aus Ausgangspunkt oder zum Vergleich, kein Wunder, sind diese doch allgegenwärtig um uns herum und erfreuen uns mit ihren Gesängen oder ihrem hübschen Gefieder. Aber alle Vögel kommen nicht gut weg, zumindest sugerieren das die Sprichwörter. Da ist von der diebischen Elster die Rede, von Rabeneltern und Dreckspatzen. Bei der Elster, deren Nest wir bestaunen konnten – ein so genannter Astkobel – konnte klar nachgewiesen werden, dass diese zwar mit Neugier auf „Bling-Bling“ reagieren, aber in den Nestern noch nie Siberlöffel, Diamantohrringe oder sonstige Schmuckgegenstände gefunden wurden. Wenn Sie also auf der Suche nach ihren Diamanten sind: Klappern Sie nicht die Nester der Elstern ab! Und von wegen Rabeneltern: Versuche bei Kolkraben haben klar gezeigt, dass diese sogar ihre Eier zügeln, wenn Gefahr droht. Und zuletzt der Dreckspatz: Wie viele kleine Singvögel nehmen die Spatzen gerne ein Bad, dabei muss es nicht immer Wasser sein, sondern es reicht auch eine leicht sandige Erdkuhle, um sich darin zu wälzen. Die Bäder dienen der Gefiederpflege und um dieses von Parasiten zu befreien. Diese wenigen Beispiele zeigen, dass zwar die Bedeutung der Sprichwörter treffend sein können, aber sie es sonst mit der Wahrheit nicht immer genau nehmen. Es gibt aber auch Beispiele, die genaue Beobachtungen exakt wiedergeben. Man denke dabei nur an die Schwalben! Richtig: Eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer, doch wenn sie tief fliegen, ist schlechtes Wetter angesagt. Dieses Phänomen konnte übrigens direkt von den NaturspaziergängerInnen beobachtet werden. Aber die Rauchschwalben konnten nicht nur bei der Futtersuche beobachtet werden, sondern auch bei der Abgabe der Insekten bei den Nestern. Ein kurzer Abstecher in den Stall demonstrierte die Flugfähigkeiten der Rauchschwalben aber auch deren Fürsorge für ihre frisch geschlüpften Jungen. Neben den Schwalben lernten wir auch einige Sprichwörter bei den Hühnern kennen. Wissen Sie beispielsweise, woher das Sprichwort „der springende Punkt“ stammt? Nach ein paar Tagen kann man bei einem bebrütenden Hühnerei den Herzschlag des Embryos durch die Schale betrachten, wenn man dieses gegen eine geeignete Lichtquelle hält und kann so einen pulsierenden roten Fleck – den springenden Punkt – bestaunen. Metaphorisch gesprochen ist daraus eine Redewendung geworden, nach der ein springender Punkt den wesentlichen Kern einer Darstellung (das Herz des Projektes!) oder den entscheidenden Aspekt einer Fragestellung darstellt. 

Die NaturspaziergängerInnen lernten so nicht nur Sprichwörter und deren Herkunft und Bedeutung kennen, sondern erfuhren auch vieles aus dem Leben von Sperlingen, Schwalben, Rabenvögel und Co. Wie gewohnt endete der Naturspaziergang bei einem Tee, wo weiter lebhaft diskutiert wurde. Auf den nächsten Naturspaziergang, wo wiederum viel erfahren werden kann, darf man sich schon jetzt freuen; er wird uns auf die blühenden Wiesen führen.

Text: Denise Thoma, Fotos: Dorothee Häberling, Verena Steinmann

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