Die Vereinsreise nach Helgoland im Oktober 2021 war ein Erfolg: Die 25 Teilnehmenden konnten auf der deutschen Hochseeinsel insgesamt 113 Arten beobachten.  

Die Vogelvielfalt während dem Herbstzug, auf der 1700 Meter langen und 600 Meter breiten Insel mit der dazugehörigen Düne, ist enorm. Fast in jedem Strauch und Baum ist ein Singvogel zu beobachten. Limikolen und Möwen sind vor allem auf der Düne zu sehen. Völlig erschöpft und ausgehungert machen die Zugvögel vom Norden auf dem Weg in den Süden oder ans Wattenmeer hier einen Zwischenhalt, um sich zu erholen und Nahrung aufzunehmen. 

25 Vereinsmitglieder sind zwischen dem 4. und 19. Oktober, in drei Gruppen gestaffelt, mit Bahn und Fähre auf die Insel gereist. Es hat sich gelohnt. Do Häberling, welche die ganze Zeit dort war, führte die Gruppen über das Festland und die Düne. Auf dem Festland mit den unverkennbaren roten Sandsteinklippen waren vor allem Singvögel zu finden. Die typischen Klippenbrüter wie Trottellummen und Basstölpel ziehen nach dem Brutgeschäft jedoch aufs hohe Meer hinaus und kommen erst im nächsten Frühjahr wieder. Nur einzelne junge Basstölpel konnten wir noch sehen, von welchen der jüngste zwei Tage später tot im Nest lag. Haben ihn die Eltern nicht mehr gefüttert? 

Highlight unter den Singvögeln war eine Waldammer aus der russischen Taiga, die eigentlich in Zentralasien und Japan überwintert. Auch der Blauschwanz und die Zwergammer, die wir gesehen haben, sind sehr seltene Ausnahmegäste aus dem hohen Norden. Ansonsten wimmelte es von Rotdrosseln, Bergfinken, Wintergoldhähnchen und Staren. 

Für die meisten NVV-ler waren die Ohrenlerchen und die Schneeammern, welche die längste Zeit und auf kurze Distanz beobachtet werden konnten, so genannte „lifer“ - was in der Birdersprache ein Vogel ist, den man zum ersten Mal im Leben sieht. Die beiden Arten überwintern oft an der Nordseeküste, sind aber im Sand gut getarnt und schwer zu erkennen.

Auf der Düne einer Sandinsel, die rund ein Kilometer vom Festland entfernt und per Fähre erreichbar ist, zeigten sich unter anderem Gold- und Sandregenpfeifer, Austernfischer, Steinwälzer und Meeresstrandläufer. Höhepunkt waren zwei schwimmende Odinshühnchen. Bei dieser arktischen Schnepfenart haben die Weibchen „die Hosen an“. Sie sind bunter gefärbt, balzen die Männchen an, verjagen Konkurrentinnen und überlassen den Männchen die Aufzucht der Jungvögel.

Grosses Interesse fanden die Kegelrobben und Seehunde, die am Strand lagen und sich von den Menschen nicht beirren liessen. Beide Meeressäuger sind auf Helgoland häufig anzutreffen. Vor allem die Kegelrobbe hat seit ihrem ersten Erscheinen in Helgoland 1989 eine rasante Entwicklung durchgemacht, jährlich kommen etwa 2000 Jungtiere zur Welt. 

Mitten auf der Düne, welche vor allem mit Sanddorn bewachsen ist, liegen zwei kleine Tümpel. Dank einer speziellen Handy-App, die jederzeit auf die neuste ornithologische Rarität hinweist, konnte Do Häberling bei einem der Tümpel den Gelbbrauen-Laubsänger „tickern“ und den Besuchern zeigen. Auch bei ihm handelt es sich um ein besonderes Exemplar aus Russland östlich des Urals. Er erscheint regelmässig auf Helgoland. Einzelne Gelbbrauen-Laubsänger ziehen statt nach Südostasien in die entgegengesetzte Richtung. Vielleicht haben sie hier ein neues Überwinterungsgebiet gefunden.

Alles in allem war es eine schöne und interessante Vereinsreise, die auch landschaftlich mit den eindrücklichen Klippen und Felsformationen einiges geboten hat.

Bilder: Andrea Funk

Text: Stefan Hohler

 

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