Exkursion Klingnauer Stausee

Am 23. Mai 2026, dem Samstag vor Pfingsten, machen wir uns zum Klingnauer Stausee auf. Der Wetterbericht verspricht für das Pfingstwochenende sehr viel Sonne und die ersten Tage mit mehr als 30 Grad. Manch eine:r kennt das Gebiet nur vom Winter und fragt sich, ob es denn hier im Frühsommer und bei grosser Hitze überhaupt etwas zu sehen gäbe. Enttäuscht werden sollte niemand, so viel sei bereits an dieser Stelle verraten. Da Lukas, der vorgesehene Exkursionsleiter, kurzfristig ausgefallen war, sieht sich Robyn Stünzi, die beim NVV Höngg bloss ein Gastspiel geben wollte, unverhofft zur Hauptleiterin befördert. Claudia Reusch ist kurzfristig als Leiterin eingesprungen und unterstützt sie tatkräftig. Wir starten kurz nach 8 Uhr bei Koblenz und Robyn und Claudia übernehmen je eine Gruppe.
Im Giriz begrüssen uns mehrere Pirole, ohne sich blicken zu lassen, mit ihrem Gesang und bei der Eisenbahnbrücke unterhalb der Staumauer ist bereits einiges los: Etliche Gänsesägerinnen sind äusserst aktiv. Interessanterweise können wir aber keine Männchen entdecken und liebäugeln mit der Idee ein Speeddating mit den noch nicht vergebenen Männchen der Zürcher Population zu organisieren. Auf der anderen Flussseite sehen wir einen Kuckuck und bei den Steinen rund um die Brückenpfeiler einen einsamen Flussuferläufer. Auf dem Weg zum Kraftwerk kreuzen wir einen Verbund aus Graugansfamilien. Während beim Rekognoszieren am Vortag noch 16 Junge gezählt wurden, sind es heute nur noch 15. War da der Fuchs am Werk?
Im unteren Bereich des Sees sehen wir Teich- und Drosselrohrsänger, junge Teichhühner, tanzende Höckerschwäne und nochmals einen Kuckuck. Währenddessen drückt die Sonne immer munterer; Schatten ist rar und wenn es ihn gibt, dann reicht er nicht für die ganze Gruppe. Kurz vor dem Bunker wird es ornithologisch noch spannender als bisher. Wir können einen Flussregenpfeifer und einen Kiebitz beobachten und auf dem Brutfloss hält sich eine Flussseeschwalbe auf, die seeeehr lange braucht, um einen seeeehr grossen Fisch herunterzukriegen. Ganz herunter kriegt sie ihn freilich nicht, was sich in einem ausgeprägten Stierennacken zeigt, um den sie jeder Schwinger beneiden würde. Das zusätzliche Gewicht hindert sie allerdings nicht daran, im Tiefflug immer wieder einen jungen Graureiher anzugehen. Er zeigt sich unbeeindruckt und zieht bloss den Kopf ein. Beim Bunker finden wir dann auch den wortwörtlich heiss ersehnten Schatten und machen Mittagsrast.
Rehydriert und ausgeruht widmen wir uns dem mittleren Teil des Sees, wo sich die ganz grossen Highlights präsentieren. Und zwar dicht beieinander: Ohne den Feldstecher bewegen zu müssen, können wir gleichzeitig einen Löffler, acht junge Rostgänse und, als absolute Rarität, eine Uferschnepfe sehen. Ein Grün- und zwei Rotschenkel sowie eine Zwergdommel in nächster Nähe vervollständigen das Erlebnis. Vom Beobachtungsturm entdecken wir dann nichts Aussergewöhnliches mehr und beenden die Exkursion beim BirdLife-Naturzentrum mit Glacés und kühlen Getränken. Auf dem Weg nach Döttingen rundet eine Nachtigall mit ihrem Gesang unseren fantastischen Start ins Pfingstwochenende ab.
Die Teilnehmer:innen danken Robyn und Claudia für die engagierte und kompetente Leitung und dass die Exkursion trotz Lukas’ Ausfall stattfinden konnte. Lukas wünschen wir eine gute Besserung!
Text: Nicolas Blöchliger
Fotos: Eduard Ramp




