Erste Etappe 2018

Im Heizenholz wird die Natur direkt im Siedlungsraum gefördert. Die Genossenschaft Kraftwerk1, die Mieterschaft der Siedlung Heizenholz und der NVV Höngg werten in einem spannenden Projekt den Aussenraum zusammen auf. Bereits erfolgten der Bau einer Kräuterspirale und die Aufwertung der Hecke.

Ausgangslage und Ziele

Die Siedlung Heizenholz der Genossenschaft Kraftwerk 1 wurde im Jahr 2012 fertiggestellt und bezogen. In den ersten Jahren des Einzugs stand v.a. die Organisation und das Regeln des sozialen Zusammenlebens der Bewohner/innen der Siedlung im Fokus, der grüne naturnahe Aussenraum wurde teilweise durch Initiativen von Bewohner/innen umgestaltet und wird als Erholungsraum genutzt. Im Herbst 2017 haben einige Bewohner/innen zusammen mit Benjamin Kämpfen vom NVV Höngg Überlegungen angestellt, wie man den naturnahen Aussenraum ökologisch aufwerten könnte. Mit diesem Projekt sollte die Umgebung von einer „Standard-Lösung“ eines naturnahen Gartens auf ein vorbildliches Niveau angehoben werden. Durch Optimierung der Umgebungsgestaltung und die Bewirtschaftung kann die Aufwertung zu einem Vorbild für Genossenschaften oder Neubausiedlungen in der Stadt Zürich werden. Das Projekt ist in enger Zusammenarbeit von der Arbeitsgruppe Aussenraum der Siedlung, der Verwaltung und dem Natur- und Vogelschutzverein Höngg entstanden. An zwei Sitzungen haben die Projektbeteiligten Ziele, Wünsche und Erwartungen sowie mögliche Massnahmen diskutiert. An einer internen Versammlung wurde über das Projekt informiert und über die Projektskizze abgestimmt.

Aufwertung Hecke

Die Hecke am Südrand bestand zwar aus heimischen Sträuchern, ist jedoch mit ca. 3–4 m überall gleich schmal und eher hochgewachsen. Durch die Aufwertung wurde die Hecke gelichtet und in der Höhe zurückgestutzt. Mit dem bei der Heckenpflege anfallenden Astmaterial wurden zwei grössere Asthaufen und Kleinstrukturen geschichtet. Diese dienen Igeln, Echsen und Blindschleichen wie auch Insekten als Unterschlupf. Abschnittsweise wurden schnellwachsende Sträucher (v.a. Roter Hartriegel) ausgestockt. In die neu geschaffenen Lücken setzten einige Bewohner/innen in einem knapp zweistündigen Einsatz 60 Sträucher. Schwarzer Holunder, Sanddorn und verschiedene Wildrosen erhöhen die Artenvielfalt und zusätzlich können die Früchte auch von den Bewohner/innen genutzt werden können. Gesamthaft wurden 60 zusätzliche einheimische Sträucher gesetzt, die zu einer Vergrösserung der Oberflächenstruktur (durch sogenannte Buchten) und somit des Lebensraums für Vögel und Insekten beitragen.

Optimierung der Wiesenbewirtschaftung

Die Pflege der Wiese ist einerseits auf die ökologischen Verhältnisse andererseits auch auf die Nutzung der Bewohner abgestimmt worden. Dazu werden Mitte Mai 2018 die Wiesenschnitttermine vom Juni mit den Gärtnern überprüft und angepasst. Ein früher, hoher Grasschnitt im April und dann ein später Schnitt Ende Juni könnte eine Möglichkeit sein, um die Wiese auszumagern. Langfristig wird sie so artenreicher und bietet auch bessere Entwicklungsmöglichkeiten für Insekten.

Nistkästen für Mauersegler auf dem Dach

Mauersegler sind typische Bewohner des Siedlungsraums, leiden aber unter dem Verlust von Nistplätzen. Besonders bei Sanierungen und Neubauten gehen Nistmöglichkeiten unter Dächern, Regenrinnen oder Firstziegeln verloren. Mauerseglerkästen ersetzen diese verschwundenen Nischen. Hohe Häuser, Brücken und Kirchtürme sind Brutorte dieses Flugkünstlers. Die Mauersegler lassen sich beim Abflug einige Meter aus ihrem Nest fallen und benötigen 6–8 m „freien Fall“ für ihren Start. Ein weiterer, entscheidender Punkt war, einen Platz zu finden, wo die Brut nicht durch Katzen, die im und um das Haus leben, gestört werden kann. Zwei Dachabschlüsse zuoberst der 20 m hohen Siedlung erfüllen diese drei Kriterien und sind zusätzlich auf der wettermässig günstigeren Seite gelegen. Mauersegler sind Koloniebrüter, d.h. es brüten mehrere Paare nahe nebeneinander, aber in getrennten Bruträumen. Anfang Mai werden je zwei Kästen mit 5 Brutlöchern direkt auf den metallenen Dachabschluss montiert. Wichtig dabei ist die bündige Montage zum Dachrand, eine Montagehöhe von mindestens 6 Metern über Boden und freie Abflugmöglichkeiten. Ein Mauersegler bleibt der einmal gewählten Bruthöhle wenn möglich ein Leben lang treu. Dieses Jahr werden die Kästen hoffentlich bereits von einjährigen Mauerseglern, die in ihrem ersten Jahr nicht brüten, ausgekundschaftet.

Neugestaltung einer unterschlupfreichen Kräuterspirale

Der bestehende Kräutergarten sollte attraktiver gestaltet werden. Durch eine mit einer Trockenmauer abgestützten Terrainerhöhung im südlichen Teil wurden einerseits unterschiedliche Boden- und Feuchteverhältnisse für Pflanzen geschaffen, anderseits soll das lückige Mauerwerk als Unterschlupf für Kleintiere wie Echsen, Wespen, Hummeln und Wildbienen dienen. Als erstes wurde eine Sickerschicht (ca. 15 cm Erdaushub und Auffüllen mit Schotter) angelegt, darauf wurden unter Anleitung einer erfahrenen Mauerbauerin die Steine geschichtet. Für den Bau der Mauer wurde ausschliesslich Abbruchmaterial verwendet, kleine Restbestände von Natur- und Rasengittersteinen, vor der Entsorgung gerettete Backsteine und Ziegel. Platten (beispielsweise Granit oder Betonriemen) dienen als Abschlussschicht, so dass der Kräutergarten auch bei schlechtem Wetter begehbar bleibt. Vom Blütenangebot der gepflanzten Kräuter und Blumen werden Wildbienen und Schmetterlinge profitieren und neue Nahrungsquellen finden.

  • Arbeit1 k
  • hgelige Mondlandschaft k
  • Strukturreiche Wildbienenecke k
  • mehrere Wildbienen erfreuten sich hier an der Wiesenflockenblume k
  • Herfuhren von Sand und Kies fr das Auffllen des Erdlochs k
  • Kraftwerk1
  • Einsetzen der Wildstaudenrosetten in die nhrstoffreichen fetten Wiesenteile k

Zweite Etappe 2019

Die Wiese der Siedlung Heizenholz der Genossenschaft Kraftwerk 1 in Höngg wurde im Frühling 2019 in einer zweiten Etappe (siehe Editorial Mitteilungsblatt Juni 2018, ökologische Aufwertung 1. Etappe) in Zusammenarbeit mit dem NVV Höngg von den Bewohner*innen naturnaher gestaltet: Der Bau einer grossen Wildbienenecke und die Pflanzung von gesamthaft 612 Wildstauden sorgen für mehr Biodiversität und mehr Farbe in der Wiese.

Erdnistende Wildbienen fördern

In der Schweiz gibt es ca. 600 Wildbienenarten, davon nisten rund 70% in der Erde. Die häufige Mauerbiene gehört nicht dazu. Sie wird durch die bekannten Wildbienenhotels mit Bambusröhrchen gefördert. Viele erdbewohnende Wildbienen sind aber gefährdet, denn diese benötigen freie, sandige Bodenstellen, wo sie lange Tunnels für ihre Eier bauen können. Durch das Zubetonieren von Strassen oder das Verbauen mit Steinplatten und Verbundsteinen und der Bodenverdichtung verschwinden diese Lebensräume. Das Ziel der Aufwertung des Aussenraumes der Siedlung Heizenholz war es also, für erdnistende Wildbienen sandigen Bodenstellen zu bauen. Für die Wildbienenecke wurde Anfang April 2019 auf einer rund 20 Quadratmeter grossen Fläche eine 20 cm Grasschicht mit Pickel und Schaufel entfernt und vom darunterliegenden Humus getrennt. Dieser konnte für Beete im Garten wiederverwertet werden. Die Grasziegel landeten im Kompost. Daraufhin wurde das ausgehobene Erdstück Karrette für Karrette abwechselnd mit Sand und Kies gemischt, aufgefüllt und aufgeschichtet, dabei ist eine „hügelige Mondlandschaft“ entstanden. Alte, tote Obstbaumäste auf der Oberfläche komplettierten die sandige Landschaft und bieten holzbewohnenden Fluginsekten einen trockenen Unterschlupf und Nahrung.
Bei der Planung der Wildbienenecke hat Benjamin Kämpfen nichts dem Zufall überlassen: Die Wildbienenecke sollte den Bienen nicht nur Nistplätze, sondern auch Nahrung durch pollen- und nektarreiche Blüten bieten. In die aufgeschichtete Wildbienenecke wurden junge Wildstaudenrosetten gesetzt, die einerseits mit kargen, nährstoffarmen Böden gut klarkommen und anderseits durch Vielblütigkeit und eine mehrmonatige Blühdauer ein reiches Nahrungsangebot bieten. Besonders geeignet dafür sind z. B. Weiden (Salix spp.), Natternkopf (Echinum vulgare) und Glockenblumen (Campanula spp.). Die Glockenblumen werden beispielsweise von 15 Wildbienenarten als alleinige Pollenquellen genutzt. Nach dem Materialaufschichten haben die Bewohner*innen die Rosetten mit Sorgfalt in die sandige Landschaft verteilt und bewässert. Es war unglaublich, wie das Wachstum der Färber-Hundskamille, des Gemeinen Natternkopfs, der Reseda, oder der Karthäusernelke schon wenige Wochen nach der Rosettenpflanzung eingesetzt hat und die Pflanzen nur ein halbes Jahr nach der Fertigstellung das Bild einer strukturreichen, vielfältigen Wildbienenecke dominieren. Die Blüten des Natternkopfes, die man auf dem Foto sehen kann, diente dieser Wildbiene letzten Oktober, vor dem eintretenden Winter als Nahrung vor der bevorstehenden Winterruhe. Gespannt wird die Aussenraumgruppe (Gruppe von Bewohnenden, welche die Wiese, Hecke und Bäume der Siedlung Heizenholz bewirtschaftet) dieses Jahr „das fleissige Treiben“ der Wildbienen am Sand und an den Pflanzen in der Wildbienenecke beobachten.

Förderung der Artenvielfalt der Wiese als weitere Aufwertungsmassnahme

Artenreiche Wiesen in den Aussenräumen von Siedlungen in der Stadt zu fördern sind häufig kein Thema. Fehlendes Fachwissen und festgefahrene Vorstellungen eines gleichförmigen Rasens und eines aufgeräumten Gartens führen zu konventioneller Bewirtschaftung mit Ansäen von gleichförmigem grünem Rasen und dem häufigen Einsatz des Rasenmähers. Ob eine Wiese farbenfroh und artenreich ist oder grün und eintönig, hängt einerseits von Boden und Klima ab, andererseits auch vom Zeitpunkt des Wiesenschnitts und dem Arbeitsgerät für den Wiesenschnitt. Eine Wiese gilt als artenreich, wenn sie mehr als 50 Pflanzenarten auf 100 qm beinhaltet (=Magerwiese).
Ein Beispiel für eine naturnahe Bewirtschaftung der Wiese wird in der Genossenschaft der Stadtsiedlung Heizenholz gelebt. Die Wiese rund um die Siedlung Heizenholz wird seit dem Einzug der Genossenschaft im 2012 extensiv bewirtschaftet. Extensiv heisst, der erste Wiesenschnitt erfolgt Mitte Juni mit dem Balkenmäher, der zweite Schnitt wird im Oktober mit der Sense von Bewohner*innen ausgeführt. Dieser späte erste Schnittzeitpunkt im Juni ermöglicht es, dass viele farbige Wiesenpflanzen versamen können. Auch werden durch den Einsatz des Balkenmähers im Juni und der Sense im Oktober viele Insekten vor dem Tod bewahrt, wohingegen Rasenmäher und Fadenmäher viel mehr Insekten fordern. Die Hälfte der Wiese im Heizenholz weist bereits eine sehr hohe Artenvielfalt auf, wahrscheinlich weil beim Umbau vor einigen Jahren dort der Oberboden abgetragen und anschliessend eine Blumenwiese eingesät wurde. Das geschnittene, blütenreiche Heu im Juni wird dem Quartierhof Höckli als Futter zur Verfügung gestellt.
Im oberen Teil der Wiese stellte die Aussenraumgruppe der Siedlung Heizenholz zusammen mit Benjamin Kämpfen vom NVV Höngg fest, dass die Zusammensetzung der Wiese noch eher der einer Fettwiese entspricht. Obwohl durch den späten Schnittzeitpunkt und das jahrelange Wegführen des Heus eine gewisse Ausmagerung erzielt werden konnte, ist die Blütenvielfalt an bestimmten Stellen noch bescheiden. Die Blumenarten wandern nur langsam ein. Um diesen Prozess zu beschleunigen, wurden als zweite Massnahme im April 2019 knapp 500 Wildstauden in die fetten Wiesenteile eingepflanzt. Rapunzel-Glockenblume, Wiesen-Flockenblume, Schopfiger Hufeisenklee, Wiesen-Margerite, Saat-Esparsette und Wiesensalbei sollen den Artenreichtum der Wiese in diesen nährstoffreichen Abschnitten fördern. Gespannt warten die Hausbewohnenden auf diesen Sommer und hoffen, auch in den oberen Wiesenteilen die Blüten der gepflanzten Wildstauden und die sich daran erfreuenden Wildbienen zu entdecken.

Text und Bilder: Lydia Buholzer

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