Naturspaziergang – Der Waldboden lebt

An diesem Sommerabend blieben die Feldstecher zu Hause. 30 Teilnehmende trafen sich beim Schützenhaus in Höngg und spazierten rund dreissig Minuten durch den Wald zu einer Stelle, wo uns die beiden Bodenprofis Frank Hagedorn und Marco Walser der Eidg. Forschungsanstalt WSL erwarteten.
Thema des Abends: Die unbekannte Welt zu unseren Füssen. Obwohl wir den Boden jeden Tag sehen, wissen wir kaum, was darin vorgeht. Zwei Drittel der gesamten Biodiversität lebt im Boden. Einer der wichtigsten Akteure: der Regenwurm. Ein einziger Regenwurm setzt pro Jahr rund 20 Tonnen Erde um. Und sie sind viele: An Biomasse übertreffen die Regenwürmer die gesamte Menschheit. Einer der grössten ist Lumbricus badensis, der Badische Riesenregenwurm, der bis zu 60 cm lang werden kann.
Marco Walser demonstrierte mit einem einfachen Versuchsaufbau anschaulich, wie der Waldboden im Gegensatz zu Kies Wasser filtert und säubert. Er stellte die drei Haupthumusformen im Waldboden vor – Mull, Moder und Rohhumus – und wie die Bodentiere dazu beitragen, dass Nährstoffe umgesetzt und wieder zur Verfügung stehen. Etwas versteckt im Wald gewährte ein Bodenprofil Einblick in die Schichten unter unseren Füssen. Frank Hagedorn erläuterte die Zusammenhänge zwischen Gestein und Boden und zeigte mit einem Salzsäuretest, wie kalkhaltig der Boden im Höngger Wald ist. Eine wichtige Rolle spielen die Pilze im Boden, sie bauen Holz ab und erleichtern als Mykhorrizapilze den Baumwurzeln den Zugang zu Nährstoffen und Wasser.
Mit viel Anschauungsmaterial und Humor brachten Frank Hagedorn und Marco Walser uns den Waldboden mit allen Sinnen näher. Neben einem Riechtest an verschiedenen Waldböden liess ein Bodenmikrophon die unsichtbaren Bewohner hörbar werden. Und vor dem Apero im Wald gab es dann doch noch einen Bogen zu den Vögeln: Die Verbreitung der Waldschnepfe ist eng an das Vorkommen der Regenwürmer gekoppelt, die bis zu 80 % ihrer Nahrung ausmachen.
Text und Bilder: Lisa Bose




